BEWERTEN
 

Horacz Bluminth

»Marsch Obskur«

[Adult Music, Bredowstr. 39, 10551 Berlin]

Text: Autor unbekannt

Ja, stimmt, ziemlich obskur, wenn auch nicht gerade allzuviel Marsch. Aber das wird schonungslos durch sprachfremdes Silbengeklumpe ausgeglichen, und so erhält dies Freispiel seinen letztlich freispielerischen Pli. Ein hübsches Quasi-Anagramm hat Martin Buchholz, seines Zeichens Saxophonist und Klarinettist, da mit seinem Namen durchgeführt: HORACZ BLUMINTH. „Marsch Obskur' ist dessen Debüt-Soloveröffentlichung, eine musikalische Reise zwischen Jazz, Weltmusik, Trance und einem mächtigen Schuß Andersartigkeit, die zuweilen atemberaubend wirkt. Zwar hätte man dieser CD vielleicht einen Tick mehr Ironie in der Manier LURIEs gewünscht, und um so weniger Ausflüge in new-age-lastiges Terrain.

Und der Gesang Buchholz’ - in einer Phantasiesprache, die Reizvokabeln vermeiden möchte und dabei ohne weiteres Zutun meine Lachmuskeln mehr als nur einmal gereizt hat -, er gerät zu einem Spießrutenlauf mitten hinein ins bunte Gesabbel. Aber überall dort, wo sich Buchholz auf seine schrägen, nicht quantisierten Programmierungen (danke, endlich!), auf seine kompositorische Emanzipiertheit und sein instrumentelles Können verlegt - kurz: auf allen Instrumentals (besonders hervorgehoben seien hier „Pulsar' und „Fremd', ein unvergleichliches Stück Musik) -, wird „Marsch Obskur' für mich zu einer der schillerndsten experimentellen Veröffentlichungen deutscher Labels seit langer Zeit. Jedenfalls wünscht man sich mehr dieser Art. Und jungen Firmen wie „Adult Music' viel Glück in diesem windigen Hin und Her zwischen Anspruch und schwarzroten Zahlen.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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