BEWERTEN
 

Los Flechazos

»Pussycat«

[Fourtune Records / Swamp Room]

Text: Autor unbekannt

Zurück durch den Timetunnel in die wilde Beat- & Starclub-Ära. Ready-steady-go ... Schmeiß ein paar Coffees ein, setz Dich auf Deine Lambretta und auf zum nächsten Allnighter, wo die ganze Nacht heiße Beat- und Soul-Musik läuft und jede Frau Emma Peel zu sein scheint, während die Herren im perfekt sitzenden Maßanzug distinguiert in der Ecke stehen oder sich wild zum Sound von THE WHO schütteln. 'Talking about my generation', eine Generation mit Stil und dem Drang zum Modernen, schließlich kommt das Wort Mod von Modernism. Dieser Stil hat sich im Underground, ohne staubig und antiquiert zu wirken, in seiner puristischen Form erhalten; womit ich nicht die billigen Neo-Britpop-Kids meine, denn ein wahrer Mod kauft nicht bei H&M, sondern läßt sich sein Outfit in London auf den Leib schneidern.

Abgesehen davon fehlt es solch Emporkömmlingen wie OASIS oder BLUR nicht nur an Klasse, sondern vor allem an der nötigen Portion Soul, ganz im Gegensatz zu den LOS FLECHAZOS, der spanischen Mod-Beat-Supergroup No. 1. Diese smarten Herren könnten gut eine von Shel Talmy (EASYBEATS, CREATION, KINGS u. v. a.) produzierte Combo sein, denn sie knüpfen mit ihrem Sound nahtlos an die Hochzeit des 'Swinging London' an. Klassische Cover von z. B. den RUPERTS PEOPLE sowie PHIL SPECTOR gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie eigene spanische Kompositionen, die ihren musikalischen Ahnen mehr als nur zur Ehre gereichen. Rauhe, groovige R&B-Beat- und Powerpopsmasher voll Soul und der berühmten Schaufel Dreck, die in keiner guten Produktion fehlen sollte. In einer Zeit, wo Bands wie THE WHO ihr Gesicht verlieren, weil ihr Möchtegern-Mastermind Roger Daltrey nicht davor zurückschreckt, sich zusammen mit Theo Waigel in Gottschalks Fernsehshow zum Affen zu machen, ist es gut, daß es noch Bands wie LOS FLECHAZOS gibt, die mit dem Spirit von Steve Mariott jedes ihrer Konzerte zu einer Nacht im Marquee werden lassen. Die Gitarren klirren zum treibenden Beat, der von einer fauchenden Orgel gefüllt wird. Und die Boys und Girls twisten so lange, bis ihre Chelseaboots keine Hacken mehr haben. Von daher ist es sinnig, daß diese Aufnahmen live eingespielt wurden, um den rauhen Sixtiessound zu erhalten und ebensolche Cavernclub-Stimmungen einzufangen. Geschehen ist das Ganze bei der letzten Beat-O-Mania in München, laut Rolling Stone das größte Neo-Sixties-Festival in Europa. Man hört förmlich, wie die rasende Meute der Caveteens von den LOS FLECHAZOS in einen brodelnden Vulkanausbruch gerissen wird, über dem die Geister von JOHN'S



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