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»Nguyen Le Trio«
[18.03. - Mainz, Frankfurter Hof]
Text: Autor unbekannt
Durch den Vorteil, städtisch gefördert zu sein, die Zielsetzung, kulturell innovative Veranstaltungen quer durch alle Sparten zu präsentieren, und die Vorgabe, nicht kommerziell arbeiten zu dürfen, gesellt sich der Frankfurter Hof in Mainz (http://www.frankfurter-hof.mainz-online.de), der neben Jazz weitere Schwerpunkte u. a. auf ethnische Musik, Theateraufführungen, Kabarett legt, innerhalb recht kurzer Zeit zu den wichtigeren Spielstätten für Live-Jazz in Deutschland. Monatlich finden dort vier bis fünf Konzerte mit Jazz-Musikern statt, die andernorts nicht „die Hallen füllen“ würden, was im kommerziellen Morast der Musikindustrie ja geradezu eine Auszeichnung darstellt ...
Der Gitarrist NGUYÊN LÊ, in Paris geboren und vietnamesischer Herkunft, wurde als Gastsolist bereits zu vielen Projekten eingeladen; unter der Vermeidung von Namedropping seien hier nur VINCE MEDOZAs vielgelobtes „Jazzpaña“-Projekt und „Sketches“ erwähnt.
Wesentlicher Bezug, wie Lê immer wieder betont, sei für ihn aber das Spiel im Trio - eine Kombination, die ihm, jenseits von durcharrangierten Konzepten, die meiste Entfaltungsfreiheit gäbe, und die erforderten seine gitarristischen Grenzgänge zwischen Fusion, Funk, Rock und asiatischer Folklore -, was entsprechenden Niederschlag fand auf dem kürzlich erschienenen Nachfolger des erfolgreichen „Tales From Viêt-Nam“-Albums, „3 Trios“, und zwar gleich - wie der Name schon zeigt - in dreifacher Besetzung: Neben den Ensembles mit Peter Erskine & Marc Johnson sowie Renauld Garcia-Fons & Mino Cinelu agiert der Gitarrist darauf mit seinem „Stammtrio“ - Dieter Ilg (bass) & Danny Gottlieb (drums) -, das auch die aktuelle Konzertbesetzung bestreitet.
Hoch sind die Erwartungen, als das NGUYÊN LÊ TRIO die Bühne betritt. Bei der großen Zahl guter Gitarristen ist es sicher schwierig, einen wirklich eigenständigen Stil zu prägen, und so ist es bei LÊ auch eher seine Art, wie er innerhalb eines Stückes verschiedenste Stile mischt und zusammensetzt, die hervorsticht. Schnell wird klar, daß die Feinheiten der Kompositionen im Konzert nicht so viel Platz zum Wirken haben wie im Studio - u. a. durch die Problematik, Dieter Ilgs akustischen Kontrabaß hinreichend auszusteuern. Das Zusammenspiel der drei Musiker, deren exzellente Qualitäten in den z. T. langen Soli gut zur Geltung kommen, wirkt lange Zeit nur vom Kopf her richtig, nicht aber vom Bauch - es fehlt der gemeinsame Groove, das gewisse Etwas, das mehr als die Summe der Teile ist. Doch im letzten Drittel des Konzertes hilft der Zufall: abruptes Ende eines Stückes durch einen verpaßten Einsatz zum Solo - Lachen auf der Bühne - voilá, Beginn der Kür! Der entkrampfende Ruck geht auch durchs Publikum, die letzten Stücke des regulären Sets werden immer begeisterter beklatscht, so daß das Trio letztendlich zu drei langen Zugaben gebeten wird. Ein Abend, der, wie LÊ mehrfach anmerkt, allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat.
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