BEWERTEN
 

The Tubes

»Genius Of America«

[Popular Records / edel / VÖ: 20.03.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Ach herrje, noch 'ne Reunion; muß das denn das sein? Den an die Presse gerichteten Verlautbarungen zufolge ist das Zustandekommen dieses Klassentreffens wohl vor allem Sänger Fee Waybills Initiative zu verdanken, und - was auch immer es hier zu entdecken geben mag oder auch nicht - wohl jeder, der mal zu deren großen Zeiten (und die gab es weiß Gott!) ein Fan der TUBES war, wird zumindest ein bißchen neugierig auf dieses erste neue Lebenszeichen der Band seit gut zehn Jahren sein. Der Umstand, daß diese Neunziger-TUBES-Version mit den extremistisch-expliziten Tagen von 'Boy Crazy', 'White Punks On Dope' oder 'Pimp' nicht mehr das Geringste zu tun hat, ist wohl wenig überraschend und letztlich auch ganz gut so.

Allein die Vorstellung, solches würde ohne den konzeptionellen Vater und Gitarristen Bill „Sputnik' Spooner, den genialisch-verkommenen Elektroniker Michael Cotton und Keyboarder Vince Welnick versucht, ohne die drei also, die für die abseitigen, extravaganten Qualitäten des Materials verantwortlich waren, erscheint gespenstisch. Von der Originalbesetzung erhalten geblieben sind uns Gitarrist Roger Steen, das immer wunderbar gelenkige Rhythmusgespann Rick Anderson (Baß) und Prairie Prince (Schlagzeug) und natürlich Sänger Waybill; der Neue heißt Gary Cambra, spielt keine zentrale Rolle, aber gediegen Keyboards und Gitarre. Unerfindlich bleiben vor allem die Gründe für die Mitwirkung des Pipirocksongschreibermillionärs RICHARD MARX (igitt) als Instrumentalist und Co-Autor einiger Stücke, und eine Nummer wie die Single-Auskopplung 'How Can You Live With Yourself' (als einer von mehreren Hängern) ist eine ganz schön klebrige Angelegenheit. Dennoch ist 'Genius Of America' kein schlechtes Album. Schließlich und endlich waren und sind die TUBES nicht irgendeine beliebige Combo und setzen, traditionell exzellent, ganz selbstverständlich Vorstellungen von Melodie und Rhythmus um, die anderen Bands gleicher Couleur und/oder Generation gar nicht erst in den Sinn kämen, und schaffen es schließlich irgendwie, mit der Funk-Rock-Mutation 'Fishhouse' etwa oder dem verdreht hitformatigen Titeltrack, an die besten Momente ihrer letzten Alben anzuknüpfen. US-Mainstream-Rock für Menschen mit Hirn.



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