BEWERTEN
 

Ganger

»Fore«

[Domino / RTD / VÖ: 07.04.1997 ]

Text: Autor unbekannt

GANGER sind mir bereits vor ein paar Monaten von einem Freund empfohlen worden, der das außerordentliche Glück hatte, eine der drei bisher erschienenen 12' des „Domino'-Sublabels „Series 500' zu besitzen. Daß sie in der Sammlung des Betreffenden gleich neben den TORTOISE-Remixen stehen, ist da fast schon ein Wink mit dem Zaunpfahl. Ja ja, Chicago und seine Folgen. Diese Herren kommen zwar aus Glasgow, beherrschen ihr (selbstredend analog-elektronisches) Instrumentarium aber fast ebensogut wie ihre amerikanischen Kollegen. Zweimal Bass, ein Saxophon, eine quengelige Klarinette und ein Haufen Knöpfe und Drähte, damit kann man sich schon einen netten Abend machen.

GANGER basteln ihre Beats auch ganz schön komplex zusammen, das gibt mehrteilige, ziemlich lange Instrumentalnummern mit der nötigen Portion an Jazzakkorden. Etwas gewöhnungsbedürftig sind da schon eher die teilweise sehr dominanten Bläser, die die derzeit so beliebten Orgeln und Xylophone ersetzen. Wem das Ganze zu relaxed und kiffermäßig erscheint, sollte seine Toleranzgrenzen mal mit der THIRD EYE FOUNDATION, ebenfalls aus England, austesten. BRIAN ENOs Experimente mit Radiofrequenzen und Ethnosounds von „My Life In The Bush Of Ghosts', eine ordentliche Portion Anleihen bei old school Industrial und Drum’n’Bass-Beats oder was man eben so dafür halten mag. Schwer verdaulich, aber auf jeden Fall ziemlich extravagant. Welche Art von Paranoia hier kultiviert werden soll, wird wohl nicht ganz erschöpfend zu erörtern sein. Hätte schon eher das neue Album von LOCUST (siehe Besprechung in diesem Heft) sein können.



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