Der - mehr oder weniger - diskrete Charme des Trash!
»Stereo Total«
[07.02. - Berlin, Pfefferberg]
Text: Autor unbekannt
In den total überfüllten Pfefferberg zu kommen war an diesem Freitag wahrlich Schwerstarbeit, drängten doch über 700 Fans in den eigentlich geräumigen Saal, um Berlins neue Stars zu sehen. Doch zunächst beschallte DJ Loud & Fucked Up die schwitzende Menge mit 50s Trash und Surf Punk, was jedoch kaum einer so richtig wahrnahm, denn alle wollten STEREO TOTAL!
Schließlich war es soweit. Françoise Cactus - natürlich mit Handtasche - und Brezel Göring - im Safari-Anzug und mit seiner schon legendären Pelzmütze aus Prag, denn schließlich war Winter - betraten die in bester Las Vegas-Manier mit Unmengen von Goldflitter geschmückte Bühne und lieferten einen Mischmasch aus allen Jahrhunderten ihrer eigenen und aller möglichen anderen Karrieren.
Nun komplettiert, gab’s die Songs der neuen LP \"Monokini\", dabei setzte ein regelrechtes Bäumchen-wechsel-dich-Spiel ein: Instrumente wurden getauscht, und jeder durfte mal singen. Was mit der wilden Mischung aus Trash, Chansons, Bossa Nova und Punk-Reißern hervorragend harmonierte. Angie schmetterte einen italienischen Gassenhauer und erhielt prompt Szenenapplaus. Einzig Raimo blieb hinter seinen Moog-Synthesizern und frickelte an den Dingern herum. Hören konnte man davon zwar so gut wie nichts, aber es sah verdammt gut aus. Es entwickelte sich ein turbulentes Durcheinander. Brezel garnierte diese Unübersichtlichkeit mit Ansagen, die einer Las Vegas-Stripshow alle Ehre gemacht hätten. Wessen Stimme klingt schon wie eine Mischung aus SERGE GAINSBOURG und LEE HAZELWOOD?
Zum vorläufigen Siedepunkt führte das die Disco-Phase einleitende \"C'Est La Mort\": Jeder im Publikum sang den Text des Songs - den Backing-Track besitzen STEREO TOTAL offensichtlich nur auf Cassette - aus vollem Halse mit. Den absoluten Höhepunkt bildete dann das Schreibmaschinen-Stück \"Dactylo Rock\". Nach nicht enden wollendem Applaus boten STEREO TOTAL schlußendlich drei Zugabenblöcke. Das Hammond-Inferno, das noch ein After-Show-DJ-Set präsentierte, mußte schließlich um 4 Uhr die letzten Gäste rauswerfen. Wahre Begeisterung kennt eben keine Grenzen.
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