BEWERTEN
 

Michael I. Posner / Marcus E. Raichle

»Bilder des Geistes«

[Spektrum Verlag, ISBN 3-86025-283-6, 281 S., viele Abb., DM 68,-]

Text: Autor unbekannt

Wie ist es um unsere Wahrnehmung bestimmt? Können wir dem vertrauen, was wir meinen wahrzunehmen? Wie und was denken wir eigentlich, wenn wir wahrnehmen? - So die hier gestellten Fragen. Besonders letzterer widmet sich das reich bebilderte Buch der beiden Kognitions- bzw. Neurologie-Akademiker Posner und Raichle auf den Spuren des menschlichen Denkens. Hier finden sich bunte schematische Darstellungen unserer Wahrnehmungsorgane neben computertomographischen Aufnahmen des Gehirns, dieser unbekannten Größe der menschlichen Existenz. Verdeutlichen wollen die Autoren durch Illustrationen und Text, was bei uns im Kopf vorgeht, wenn wir wahrnehmen und wenn wir denken (geistige Bilder erzeugen).

Dabei wird nicht zwischen dem Sehen, dem Hören oder dem Sprechen unterschieden. Behandelt werden alle Bilder, die wir uns von der Welt machen, jene neuralen Kombinationen also, die letztendlich unser Verhalten bestimmen. Eine wahrhaft anregende Lektüre über ein aufregendes Wissensgebiet, welches erst am Anfang seiner Entwicklung steht.
Im Gegensatz zu Posner/Raichle, die den momentanen Stand der Wahrnehmungsforschung reflektieren und neueste Abbildungsverfahren verwenden, greift Crary bei der Illustration seines Essays weit zurück, um die historische Aufarbeitung der Wahrnehmungstheorien des 19. Jahrhunderts zu bewerkstelligen. Es gelingt ihm dabei, die erkenntnistheoretischen Wurzeln der sich auf Visionen konstituierenden Wahrnehmungshistorie - von der fast antiken Kunst der Camera Obscura über die Lichtbildkunst (Fotografie) zu bewegten Bildern - als Beziehung(en) zwischen Subjekt und Gesellschaft darzustellen. Crary verweigert sich somit einer rein technikgläubigen Sichtweise der Bedeutung des Visuellen in der menschlichen Geschichte. Damit kann dieses kleine Buch großen Beitrag leisten für eine humanistische Veränderung unseres Verständnisses von Modernität und visueller Kultur, zumal es eher allgemeinverständlich ausgefallen ist als das wenig populärwissenschaftliche Werk von Raichle und Posner.



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aus Intro #43 (April 1997)
 
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