BEWERTEN
 

Helmet

»Aftertaste«

[MCA / VÖ: 18.03.1997 ]

Text: Autor unbekannt

Glaubt man Gerüchten, so mußte das im ersten Durchgang von Dave Sardy produzierte Album der New Yorker Betongroove-Formation um Page Hamilton, dem Mann mit dem wohl größten Verschleiß an zweiten Gitarristen, erneut von jemand anderem gemischt und gemastert werden, so daß die jetztige Veröffentlichung uns geifernden Kriechern ein schon recht altes Werk - die Songs müßten inzwischen knapp über ein halbes bzw. ein Jahr alt sein - beschert. Was lange währt, wird mal ein Hut, und so ist es denn auch ein fettes, rundum geschliffenes Album ohne Ausfälle geworden, das, merkwürdig genug, im Gegensatz zum noch nicht überarbeiteten Vorabtape sogar mehr nach Dave Sardys Handschrift klingt.

Der Gesang zerrt sich durch jedes Stück, das Schlagzeug steht offen im Raum, und die Gitarren waren noch nie so 'wandig'. Unkenrufen zum Trotz ist es auch kein gelecktes Plättelchen geworden. Vielmehr schaffen es HELMET mit 'Aftertaste', dem Hörer nach mehreren Durchgängen einen lustigen Reigen an Ohrwürmern einzuprügeln. Dabei kann man die Platte an beliebig vielen Stellen anmachen, immer hört man die Identität der Band; ein dermaßen selbstauthentisches Werk ohne Verrenkungen oder Experimente, eher voller gewalttätigem Rock (yes, RRRRock!!) tut sehr gut, drohte doch auf 'Betty' an mehreren Stellen die Zerfaserung des 'HELMET-Thing'. Und darf's nebenbei ein wenig schneller sein als früher? Mit 'Birth Defect', 'Crisis King' oder 'Diet Aftertaste' kehren HELMET gar zu Tempi ihrer Frühzeit zurück. Dem gegenüber stehen erwartungsgemäß präzise abgezirkelte Gitarrenthemen, immer irgendwie doch noch in einem schiebenden 4/4-Takt untergebracht. Wer sich der wandartigen Stärke von 'High Visability' oder 'Insatiable' und gleichzeitig dem Hitpotential von 'Renovation' verschließen kann, der läuft zielsicher an dieser Platte vorbei. Das Schönste an 'Aftertaste' ist für mich seine Griffigkeit. Die 4-Minutengrenze wird einmal überschritten, der Schnitt ist irgendwo bei zweieinhalb Minuten. So wird kein Riff überstrapaziert, Herr Hamilton weiß immer, wann es reicht. Ist das also sein Reifewerk? An einigen Stellen hat es sicherlich ein wenig abgefärbt, daß Mr. BARKMARKET auf der anderen Seite der Scheibe gestanden hat, aber wer will da schon meckern? Ich nicht, nee, ich find' das gut, doch doch doch doch ...



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