BEWERTEN
 

Meine Schwester Sissie

»Prime Sinister, Slut, Mustang Ford & Locust Fudge«

[03.01.97 - Enger, Forum ca. 300 Besucher]

Text: Autor unbekannt

Einen kleinen Überblick über ihr noch junges Labelprogramm vermittelte das neugegründete „Sticksisters“-Label, die kleine Schwester von Nürnbergs „Stickman Records“, denen wir bekanntlich die genialen MOTORPSYCHO verdanken. Bis auf LOCUST FUDGE war dies denn auch ein Abend der Newcomer, sozusagen Testballon für die Touren im kommenden Jahr.
Bei PRIME SINSTER, die trotz ihres um einen Gitarristen reduzierten Line-ups immer noch recht schwerfällig, düster und vor allem angestrengt rumrockten, bewegte sich allerdings noch nicht allzuviel. Doch bereits bei SLUT, den hoffnungsvollen Neulingen aus Ingolstadt, strömten die Zuschauer vor die kleine Forum-Bühne.

Und schon nach wenigen Liedern war klar, daß der Auftritt der Gebrüder Christian und Matthias Neuburger zu den Überraschungen des Abends zählte. Zwar bekannte Sänger Christian bereits nach dem ersten Song: „Wir sind wahnsinnig aufgeregt“, dann spielten sich SLUT aber während des Sets von der anfänglichen Vorsicht frei und bekräftigten mit einer fantastischen Version von „Cloudy Day“, daß sie das NOTWISTsche Spiel mit Emotionen und genau plazierten Lärmausbrüchen bestens beherrschen.
Nach diesen beiden Vertretern aus dem Süden des Landes gehörte die Bühne den Rest des Abends den Ostwestfalen, die hier im Forum in der Vergangenheit immer ihre besten Heimspiele absolvierten. Und gleich MUSTANG FORD überraschten mit einem für sie ungewöhnlich guten Sound und ihrem barfüßigen Sänger, der durch gekonnt plazierten Kontrollverlust erst gar keinen Zweifel an der Bühnentauglichkeit der Band aufkommen ließ. Was sich bei ihrem Auftritt beim sommerlichen Remise-Open-air noch anhörte wie so eine 90er-Version von DINOSAUR JR., kam hier durchaus anders rüber, auch wenn Detmolds gepflegte Gitarren-Melancholie immer noch eine Rolle spielt.
Von LOCUST FUDGE hatte ich dann den großen Wurf erwartet, wo sie doch bei selbigem sommerlichen Open-air in Höchstform zu erleben gewesen waren und demnächst mit einer neuen Platte auf „Sticksisters“ zu rechnen sein wird. Dann aber die Enttäuschung, daß der Sound auch nach den ersten drei Stücken nicht besser wurde, kaum Raum für Dynamik ließ und jede Feinheit verschluckt wurde. Zudem nervte das anfänglich durchlaufende Keyboard-Loop schon nach kurzer Zeit gewaltig. Ich tippe da mal auf ein Versehen, denn wenn das gewollt war, war’s ‘ne ziemlich schlechte Idee. „Kill A Friend Today“ klang dann wieder ganz passabel, doch der richtige Groove wollte sich nicht so recht durchsetzen, und so entschieden sich die Herren Schneider und Krite an diesem Abend für den Lärm, was bei den ohnehin schon problematischen Soundverhältnissen nicht gerade förderlich war. Bleibt die nette Blödeleinlage zur obligatorischen Rauchpause (Schneider: „Das sieht man nicht häufig: Volker Backes raucht eine Zigarette.“) samt japanischdeutschem Uhrenvergleich („Wir lassen uns jetzt von Casio sponsern ...“). So blieben nicht nur für mich SLUT wohl die überraschenden Favoriten des Abends.



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aus Intro #41 (Februar 1997)
 
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