BEWERTEN
 

David Thomas & Two Pale Boys

»Erewhon«

[Cooking Vinyl / VÖ: 22.10.1996 ]

Text: Autor unbekannt

'You know how it is. Somebody finds a place. Word gets around. Everybody moves in.' Lakonisch, in der Tat, faßt dieser Text auf der Rückseite des Covers zusammen, womit 'Erewhon' (rückwärts gelesen ausgerechnet 'Nowhere', und das noch nicht mal so ganz!) sich beschäftigt: Zuhause, Home / Heimat, was oder wer das ist, war oder sein könnte, wie es darum bestellt ist und warum dieser Begriff immer mehr aus dem Bewußtsein der Leute verschwindet und so zu existieren aufhört. Kein neues Thema für DAVID THOMAS, scharfblickender wie trauriger, bedauernder Chronist einer Zeit, deren Bewohner längst den Kontakt zu ihrer Welt verloren haben, in konfuser Konsequenz groteske Fehlentscheidungen treffen und in seliger Bewußtlosigkeit gerade jene, die das stutzig macht, als weltfremd bezeichnen: 'What kind of a world? I live in a ghost town.

It's a good life', schreibt THOMAS in den Linernotes zu 'Nowhereville', natürlich, und welche Ausweglosigkeiten sollte es für ein individuelles Individuum wohl sonst geben!? Dennoch ist 'Erewhon', wie auch andere Alben von DAVID THOMAS und/oder seiner Band PERE UBU, nicht wirklich deprimierend. Zu lebendig, zu prall und leidenschaftlich ist die Musik, zu inspirativ offensichtlich die Präsenz dieses Mannes auf seine zwei wunderbaren britischen Begleiter Keith Moliné und Andy Diagram (what a name!), die vielmehr sind als das. An Akkordeon, Gitarre, Trompete, reichlich, aber innovativ eingesetzten Loops und Soundeffekten wird ein wie aus einer anderen Zeit herübergewehter Soundtrack kreiert, den für Neueinsteiger zu beschreiben heute gleichermaßen unmöglich erscheint wie dunnemals in den Mittsiebzigern, als PERE UBU ihre Visionen in Töne umzusetzen begannen. 'Weird Cornfields' ist vielleicht stilgetarnter Jazz-Fake, 'Kathleen', ursprünglich auf UBUs '93er Album 'The Story Of My Life' und hier kaum wiederzuerkennen, eine weite, langsame Pirouetten kratzende Übung in greifbarer Unwirklichkeit und 'Highway 61 Revisited' (nur der Titel ist DYLAN!) ein ausführliches Dekonstruktionsprotokoll aus zerschnippelter Folklore, menschlichem Lachen und Techno-Anteilen. THOMAS-Kenner werden mit diesen Informatismen schon was anzufangen wissen, die anderen vielleicht nicht; wie gesagt, letztlich unbeschreiblich, aber bitte: Everybody move in!



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