Kiss & Die Ärzte
»Oberhausen, Arena, 12.12.96«
Text: Autor unbekannt
Sind Sie prominent, semi-prominent oder auch nur quasi-prominent ... oder haben Sie ganz einfach Abitur gemacht? Wenn ja, sind Sie garantiert bereits in den Genuß folgender Prozedur gekommen, der man in genannten Lebenslagen nur unschwer entfliehen kann: Irgendein dahergelaufener Pressevertreter (im Zweifelsfall einer dieser Abi-Zeitungs-Idioten) glaubt seinen Mitbürgern einen Blick in Ihr Innerstes ermöglichen zu können, indem er publiziert, welche drei Gegenstände Sie auf einem hypothetischen Inselexil für unentbehrlich halten.
Ein Bekannter, freier Mitarbeiter und Kolumnist einer als Rock-Magazin firmierenden und meinerseits hochgeschätzten Therapiegruppe übergewichtiger Alkoholiker machte mich kürzlich auf einen Artikel in ebendiesem Organ aufmerksam, in welchem ein wohlfeiler Fantasy-Heiakopf-Lookalike namens Joe DeMaio, seines Zeichens „Kopf“ der Truemetal-Strip-Truppe MANOWAR, mit erwähnter Problematik konfrontiert wird.
Eine kurze Umfrage in unserer Redaktion ergab, daß auch von meinen Kollegen niemand Steroide nimmt. Als ich daraufhin mutmaßte, sie hätten wohl Angst, daß ihr Pippimann schrumpelt, machte ich mir nicht gerade mehr Freunde. Kein Mann schätzt es allzusehr, wenn man ihm unterstellt, seine externen Fortpflanzungsorgane lägen unter der Norm, bzw. er rechne bei geringsten Umwelteinfüssen mit rückläufigen Formaten. Denn wie mutmaßt doch der Volksmund gleich: \"Die Nase eines Mannes ist so groß wie sein Johannes.\" Mal abgesehen davon, daß das so gern zitierte Schandmaul der Masse wohl beim besten Willen allemal eine Volksschul-Ausbildung genoß, die es offensichtlich nicht einmal abschloß, läßt diese Aussage gar greuliche Rückschlüsse zu, ... die wir hier aber nicht weitergehend darlegen wollen, sondern auch fürderhin den Witzseiten der Praline überlassen, bei deren Durchsicht man ständig von via kobaltblauer Polyesterwäsche verunzierter Hormonverbrecherinnen belästigt wird, auf den Lippen so erquickliche Sprechblaseninhalte wie: „Mal sehen, was der Weihnachtsmann in diesem Jahr für mich in seinem Sack hat.“
Ein Magazin übrigens, das ganz eindeutig zu meinen Favoriten für eine angenommene Eilandsnotausrüstung gehört, neben Heinrich Lützlers \"Philosophie des Kölner Humors\" natürlich und - wie ich mich an dieser Stelle nun doch einmal zuzugeben genötigt sehe - Tanja, ohne die das Leben in einem gesellschaftlichen Notstandsgebiet wie Osnabrück weiß Gott kaum durchzuhalten ist, deren Abwesenheit ich im Laufe einer Robinsonade allerdings erst recht als alles andere als vorteilhaft zu erkennen wüßte. Okay, Tanja ..., falls Du diese Zeilen liest: Ich weiß, daß es in portugiesischen Grotten um diese Jahreszeit recht zugig sein kann, zumal Du Dich ja nicht wie Dein Tretbootverleiher in die körpereigene Behaarung einmummeln kannst. Deshalb bitte ich Dich, daran zu denken, daß bei mir immer eine Zentralheizung für Dich mitläuft. So, ... gut jetzt. Zurück zum Survival-Dreierpack: es ist teilweise haarsträubend, was so mancher Befragte mit in die Weltabgeschiedenheit schleppen würde. Eingangs erwähnter Bekannter und Redakteur einer zweimonatlich erscheinenden Suppenkolumne in angeführtem ONKELZ-Zentralorgan (Sorry, Götz und Dani, Ihr seid trotzdem gute Menschen!) zum Beispiel würde sich nicht entblöden, ein Faß Altbier, seine Georg Koch-Autogrammkarte und ein Postfach zwecks weiteren Erhalts des Promosegens einzupacken. Was die Autogrammkarte betrifft, bin ich bereit einzulenken, daß er sie nach reiflicher Überlegung wahrscheinlich gegen seine charmante und attraktive Freundin Trixi eintauschen würde. Sollte das nicht der Fall sein, hier noch mal ein Aufruf in eigener Sache: Liebe Tanja, es tut mir leid, aber wir hatten einen Rohrbruch, ... will meinen: Die Heizung ist kaputt. Also bleib, wo Du bist. Solltest Du, liebe Trixi, allerdings diesen Aufsatz lesen, so laß Dir gesagt sein, der Klempner ist bereits unterwegs.
Entschuldigen Sie diese kleine Abschweifung ..., es muß am heraufdämmernden Frühling liegen. Im übrigen auch ein Erklärungsansatz für das beständige Abtauchen unter die Gürtellinie. Apropos. Die Nasengleichung! Nun komme ich doch nicht umhin, sie ein weiteres Mal zu bemühen, ... um zumindest eine halbwegs nachvollziehbare Überleitung zum eigentlichen Thema hinzubekommen: Daß sie oft genug nicht stimmt, hat Paul Stanley, seines Zeichens die Fronttucke der Comicrockgötter KISS, auf einer seiner Lesungen in deutschen Hallen erst kürzlich bewiesen. \"I'm talkin' ‘bout 8 inches of cold steel\", sprach der Mann und schlug die Akkorde zu \"Love Gun\" an.
Eight inches! Habt Ihr seine Nase gesehen? Gut gut, selbst Ducky Brunkow sprach dereinst auf diesen Seiten von einem \"edlen römischen Profil\", aber 8 inches? Nein, die sind es definitiv nicht, schließlich müßte der Herr dann aussehen wie Mr. Entwistle. Das kann man nicht wegschminken. Genausowenig wie das eine oder andere Schnäpschen vor der Show, zumal dann, wenn man so hochkomplizierte Dinge zu tun hat, wie auf Plateauschuhen zu laufen sowie gleichzeitig Gitarrensoli zu spielen und den Bauch einzuziehen ..., nicht wahr, Mr. Frehley? Mal so von Landsmann zu Landsmann (Paul: \"Aces parents are from Berlin, he's one of you. Ace, say something in german!\" - Ace: \"We gates?\"), da mag Kollege Eugen Klein a.k.a. Gene Simmons noch so oft beteuern, Sie würden keinen Flaschenboden mehr zu Gesicht bekommen, aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen hört man da ganz andere Dinge. Die Mannen um Dr. Oetker z. B. - der sich dank seiner unermeßlichen Macht ins Vorprogramm der kalauernden Schminktöpfe gemogelt hat - wissen zu erzählen, daß Sie auf die Frage Ihres Tourmanagers, ob Sie an der Minibar Ihres Hotelzimmers gewesen seien, gerne völliges Unverständnis heucheln. \"Minibar, what's that ... no.\" Erst wenn es gar nicht mehr anders geht, räumen Sie schließlich ein, das eine oder andere Kaltgetränk aus diesem \"kleinen Kühlschrank\" („Oh, you mean that lil’ fridge ...“) entnommen zu haben. Keine Angst, ich verstehe das ..., und ich verstehe jetzt auch, warum man Sie nach dem Konzert mit zwei Helfern von der Bühne bugsieren muß. Nichtsdestotrotz, Mr. Frehley, sind Sie ein Gott, jawohl, lieber Leser, ein Gott. Auch wenn er das Solo zu \"I Was Made For Loving You\" nicht mehr auf die Reihe bekommt, ... einmal hat er es eingespielt. Und er versucht sich schließlich weiterhin bei jedem Auftritt daran. Da darf man mittags um eins auch schon mal sagen: \"I'm tired. I've to work so hard.\" Gell? Dafür schießt der Mann mit seiner \"Les Paul\" ja auch mindestens drei Scheinwerfer die Woche von den Traversen. Gene \"Et jibt nix jutet, außer et blutet\" Simmons allerdings hat hundertprozentig begriffen, wo's langgeht. Angesichts von Aussagen wie \"Deutschland ist scheiße. Es ist saukalt, und die Weiber sind potthäßlich\" soll noch einmal jemand behaupten, diese Superrocker würden nichts von Land und Leuten mitbekommen, ganz egal, ob Ace in Frankfurt am Telefon sitzend fest und steif behauptet, er befände sich in Amsterdam.
Gene ist hunderfünfundneunzigprozentig mit Joe DeMaio in einer Klasse gewesen, der hat laut der Publikation meines heute schon mehrfach bemühten Bekannten auch nichts gegen starke Frauen, schließlich kann man sie ja \"ordentlich hernehmen\". Igittigitt. Also Paul, Gene, Ace & Peter, es ist schön, daß Ihr hier wart, und es ist noch schöner, daß Ihr wiederkommt und sogar einen Hubschrauber mitbringen wollt, ... aber eins nehm' ich Euch, mit Verlaub, trotzdem nicht ab. \"My hausen is your hausen\" habt Ihr nie im Leben ernst gemeint. Wäre auch schön blöd, denkt
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