BEWERTEN
 

Gitarren zu Flugscharen

»Laibach«

[29.11.96 - Berlin, Pfefferwerk]

Text: Autor unbekannt

Kult ist, wenn man trotzdem wartet. Und LAIBACH ließen auf sich warten, was im dichtgedrängten Pfefferwerk weiß Gott kein Vergnügen war. Über die Anlage rann ein beunruhigend düsteres Grummeln ins Auditorium. Man konnte nicht einmal aufs Klo gehen, ohne sich Blessuren zu holen. Luftschutzkeller-Romantik. Als endlich die Bombe fiel, war alles vergessen. Die Detonation löste allerdings einen Schock aus, von dem sich das Publikum nicht so schnell erholen sollte. Es schien unfaßbar: LAIBACH, die Helden des Polit-Industrial, als Heavy Metal-Band. Die Gitarren mit hundert Tonnen Sprengkraft heulten unentwegt, während im Rücken der Band frustrierend konstruktivistische Filme vom Verdauungssystem eines Stahlwerks oder marschierenden Soldaten liefen, sich die Stimme gleich einer Apotheose aller Leiden der Menschheit über die Häupter von Band und Zuhörern erhob und die Chorsamplings wie unentrinnbares Giftgas in der Menge ausbreiteten.

LAIBACH auf Kriegszug, Balkan versus NATO. Ihr Pathos ist ihre Waffe. Eine Coverversion von „Nato“ jagte die andere, schließlich im Block das beinahe komplette neue Album „Jesus Christ Superstar“ und am Ende die LAIBACH-Klassiker. Eine Schlacht an drei Fronten, aus der die Band als materielle Sieger, doch als moralische Verlierer hervorgingen. Die Stimmung ihres fantastischen Live-Mitschnitts „Occupied Europe“ wollte nicht so recht aufkommen. Mochte es strategisch auch noch so überzeugend inszeniert gewesen sein (und am Ende ist jedes LAIBACH-Konzert eine Inszenierung); ihren Metal wollte niemand haben. Was im Grunde eine logische und auch kreative Weiterentwicklung war, wurde von den Puristen des Fortschritts als Rückentwicklung abgelehnt. Nach der Schlacht setzte sich ein müder Tross geschlagener und desillusionierter Heimkehrer in Bewegung.



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aus Intro #41 (Februar 1997)
 
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