BEWERTEN
 

Dream Warriors

»The Master Plan«

[EMI / VÖ: 24.10.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Überraschung! Nach dem doch sehr mäßigen „Subliminal Sublimation“-Album von 1994 hatte ich den DREAM WARRIORS ein derartiges Lebenszeichen kaum noch zugetraut. Doch das neue Werk „The Master Plan“ besticht zum einen durch die stilistische Erweiterung des musikalischen Radius’, zum anderen - und das ist eine Art DREAM WARRIORS-Gütesiegel, das ihr Debüt auszeichnete - durch den lockeren und spielerischen Umgang mit der genutzten Materie. Das Schlüsselwort heißt in diesem Fall Jamaika, dem die Kanadier hier ganz heimatverbunden die Ehre erweisen. Die Verquickung der musikalischen Welten Reggae/Ragga und HipHop funktioniert auch im DREAM WARRIORschen Kontext ganz wunderbar.

Roughe - sozusagen die „kriegerische“ Komponente ausmachende - Ragga-Elemente ergeben mit den gewohnt laid-backen Beats und weichen, traumhaften Sounds ein überaus ergiebiges und zündendes Gemisch, das zwar keine laute Explosion verursacht, dessen hitverdächtige Nummern aber durchaus das Zeug haben, dem FUGEES-Syndrom anheimzufallen und demnächst auch auf die Playlists der Großraumdiskos zu geraten. Neben krachigen Dancehall-Nummern wie „Dem No Ready“ mit GENERAL DEGREE und „Sound Clash“ mit BEENIE MAN (die meinte ich eben weniger!) gibt es schmeichelnde HipHop-Perlen wie „The Era Of ‘Stay Real’“ oder „The Master Plan“ und mit „Float On“ gar eine samtene R&B-Nummer für gemeinsame Schmusestunden. Klimax des Albums ist allerdings „Test Of Purity“, eine langsame, durch ihren gebrochenen Beat äußerst anregende (Tanz-)Nummer, in der es um die Möglichkeiten verschiedener „Nummern“ geht. Mit billigem Exhibitionismus haben die POOR RIGHTEOUS TEACHERS auch sehr wenig am Hut, denn nach wie vor gehören sie zu der kleinen Schar von Prinzipienreitern (im positiven Sinn), die im Angesicht von moralischem Zerfall und materieller Verblendung in der HipHop-Community ihre Flagge hochhalten und gemäß ihrem Namen (und ihrer religiösen Ausrichtung als 5-Percenter) Bewußtsein und Aufklärung predigen und Grundsätze lehren. „New World Order“, ihr viertes Werk, ist nach dem ‘93er-Album „Black Business“ wieder mehr HipHop (letztgenanntes wurde von meinem Lieblingsplattenladen nicht ohne Grund in die Raggakiste einsortiert); gekennzeichnet durch entweder knochentrocken-harte Beats oder fast schon sanfte Percussion - je nach Thematik - und überlegt eingestreute Soundsprengsel aller Kategorien (von Piano über gedankenverlorene Keyboards, dezente Bläser und fiepsige Gitarre). „New World Order“ kann durchaus als Konzeptalbum bezeichnet werden, denn der titelgebende Gedanke einer „neuen Weltordnung“ (und wie diese nach der Meinung ihrer „Verzapfer“ auszusehen hat bzw. wie sie sich für die schwarze Community darstellt und darstellen könnte) zieht sich sowohl thematisch durch die Songs, wie sie auch in den Interludes verarbeitet wird (entweder hörspielartig wie in der Vertonung der Niederschlagung eines Aufstandes in einem housing project - tragischerweise verursacht durch einen Joint - oder mit sarkastischem Unterton in der abschließenden Aufzählung der Auswirkungen der amerikanischen Notstandsgesetze, die bei genau solchen Vorkommnissen wie Aufständen oder Attentaten in der Dimension von Oklahoma City Anwendung finden). Das Verursacherprinzip schwarzer Gegenwart aufzuzeigen und der schwarzen Community einen Spiegel vorzuhalten, sind die Eckpfeiler der Consciousness im Sinne der PRT, die sich damit im HipHop-Kontext der 90er äußerst konservativ geben, was in Zeiten mangelnder Botschaften nötiger denn je erscheint. Zudem gibt es wieder 5-Percenter-Ismen („Gods Earths & 85ers“) und mit „My Three Wives (Shakyla Pt. III)“, unterstützt durch die unvergleichliche MISSJONES, das schönste HipHop-Liebeslied des Jahres. Übrigens ist die Liste beteiligter KollegInnen lang und klangvoll und reicht von NINE, BROTHER J und SLUGGY RANKS über die FUGEES bis hin zum Oberlehrer KRS ONE (ihr gemeinsames „Conscious Style“ ist das härteste Stück Bewußtseinserweiterung seit ungefähr einer halben Dekade). Und wenn die POOR RIGHTEOUS TEACHERS schon mal eine ganze Melodie klauen, dann gleich die von „The House Of The Rising Sun“ in dem grandiosen „Dreadful Day“ feat. JUNIOR REID, das vom Leben in den offenen und vergitterten Knästen im „Land der aufgehenden Sonne“ erzählt. Eine Platte mindestens so wichtig wie ihr Anliegen.



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