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Atom Heart

»Shellglove«

[Recent Programmings / Semaphore]

Text: Autor unbekannt

Erstes Stück: „Shell“, gutes Ausgangbild. „Shell“ könnte eine Muschel (wie auf dem Album-Foto) sein: hält man sie ans Ohr, so hört man das Meer rauschen. Okay, wußten wir schon, aber so was vergißt man ja mal zwischendurch. Bei einem Tier wäre ein „Shell“ eher ein 'Panzer', in der Architektur ein Rohbau. Eine besondere Eigenschaft von ATOM HEART ist seine Fähigkeit, Leerraum zu schaffen - viel passiert in den kommenden 67 Minuten und 46 Sekunden, aber es ist zu keinem Zeitpunkt zu viel, keine Überflutung, die einen überrollt, sondern Tausende von Ideen wie spitze Wasserstrahlen aus der Dusche. 'Shellglove' hat elliptische Tendenzen, man kann sich Anfang und Ende schlecht merken, so unterschwellig werden Tracks (welch eine banale Beschreibung, Track, na ja) aufgebaut.

Zum Beispiel 'Sand', normalerweise in Millionen Partikeln zu finden, aber bei der richtigen Temperatur klar wie Glas. 'Shellglove' verdient eine ausführlichere Reportage, als das hier der Fall sein kann, doch laß uns kurz zur Single, der Maxi-CD 'Apart', überspringen. Hier wird ATOM HEART von IAN POOLEY, HERBERT und LISA CARBON neu interpretiert: POOLEY mit zehn Minuten House und einem „Warp“-Synch Beat, H. in Detroit minus 52 und LISA in träumerischen Piano-Skizzen, die scheinbar aus dem Nebenraum kommen. Sie können sich halt so richtig austoben, die Struktur ist sicher: ATOM HEART steht am Rande des Spielplatzes, wie es sonst gute Eltern tun, ohne sich einzumischen, aber trotzdem für sie da. 'Apart' schleicht sich so flink ins Unterbewußtsein, ich brauchte eine Viertelstunde, um überhaupt wahrzunehmen, wann die CD zu Ende war. Wir haben es hier mit einem Riesentalent zu tun. Ein Glück für uns, daß der Mann so fleißig ist. Neben ATOM HEART macht er noch einiges mehr, u. a. das hochproduktive elektronische „RATHER INTERESTING“-Label. Auf dem Foto zu 'Apart' läuft er selbst an dem im Vordergrund stehenden roten Taxi vorbei, so wie Hitchcock in seinen Filmen 'unbemerkt' in einer Szene aufzutauchen pflegte. Und wie beim guten Alfred steht auch bei U. Schmidt aka ATOM HEART zu erwarten: Sollte er mal ein schlechtes Werk produzieren, wird es bestimmt trotzdem gut.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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