Hamburg vs Münster
»Samba, Michel«
[08.10.96 - Köln, Underground]
Text: Autor unbekannt
In der kleinen Enzyklopädie des Konzertveranstaltens steht es schwarz auf weiß: „Der Supportact hat die Aufgabe, das Publikum in kurzweiliger Art und Weise zu unterhalten, bevor der Hauptact die Bretter betritt.“ Im Falle der Ein-Mann-Band MICHEL darf dies Ansinnen als gescheitert angesehen werden. Er betrat die Bühne, um in Liedermacher-Tradition mit elektrisch verstärkter Gitarre von sich und allgemeinen Weisheiten zu erzählen. Ein ehrwürdiges Anliegen, das hiermit nicht in Frage gestellt sei, doch sah man bei einem Konzert selten so viele angenervte Gesichter ...
Klappe zu, Affe tot, Vorhang auf für SAMBA. Sie kamen, sahen ein mäßig gefülltes Underground und brachten den Ball ins Rollen.
Doch gilt zu bedenken, daß es für eine junge Band gar nicht ganz einfach sein dürfte, unbefangen aufzuspielen, wenn ihre Musik eh nicht a priori, sondern ständig im Kontext der ewigen Diskussion um Authentizität und Originalität bewertet wird. Für die meisten selbsternannten Rock’n’Roll-Detektive besetzt die sog. Hamburger Schule nun mal das Monopol auf moderne deutschsprachige Rockmusik. Zwar wird dabei gerne übersehen, daß allein der Ansatz des Musikmachens bei den drei Großen aus der Hansestadt völlig divergiert und daß das Schlagwort Hamburg zudem eher eine geographische denn eine stilistische Zuordnung ist, aber Hamburg rockt eben, Münster dagegen weniger. Ebenso wie Pauschalreisen auch immer schon beliebter waren als selbständige Exkursionen. Und warum schmeckt Piccolo Espresso so gut? Na klar, weil er von Nescafé ist.
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