BEWERTEN
 

Ras Kass

»Soul On Ice«

[Priority / Import / VÖ: 26.09.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Bitte anschnallen, Westcoast-Shit in full effect. Nachdem N.W.A. Compton 1988 zur Bleiwüste erklärten, dampfte es gewaltig. Was das für Amerika bedeuten könnte, verapokalyptisierte ICE CUBE 1990 und hielt der 'Hood' den eigenen Spiegel vor Augen. Damit war aber zunächst die Spitze des Eisberges erreicht, G-Funk recycelte sich selbst, ICE CUBE hielt an der Apokalypse fest und konvertierte zur Nation Of Islam. Aufräumen dürfen andere, doch die Sache 'ain’t over, we suppose to elevate, not segregate and we got love for the East ... ' - so die einleitenden Worte RAS KASS’ zu 'Sonset'. Sein Debüt-Album 'Soul On Ice' setzt genau bei den Fragezeichen an, die seit 'AmeriKKKa’s Most Wanted' im Raum stehen.

Heilversprechen à la 'amerikanischer Traum' und Materialismus (z. B. G-Funk, Lexus, Goldkettchen ...) oder à la Nation Of Islam (siehe segregation) sind die Sache RAS KASS’ nicht. Evil, das 'Böse', ist keine Sache der Hautfarbe, das sieht der Mann, dessen Stück 'The Evil That Men Do' z. B. von der seit Generationen bestehenden Gewalt innerhalb der eigenen Familie handelt, klar. Gleichwohl er mit 'On Earth As It Is ...' und 'Nature Of The Thrat' so manche Verschwörungstheorie neu belebt. Die Kritik zielt jedoch insbesondere auf das seit Jahrhunderten mittels christlicher Vorstellungen installierte System und betont damit die Notwendigkeit, nach anderen - 'eigenen' (?) - spirituellen Wurzeln zu suchen. Darüber hinaus wird in RAS KASS’ Texten das aktuelle Tagesgeschehen, Politik, thematisiert. Schon der an Eldridge Cleavers Buch (das vielleicht bekannteste 'Werk' der radikalen Befreiungsbewegung der 60er) angelehnte Titel seines Albums rückt ihn in die Nähe des Rebels, der ganz konkret und unmittelbar anzugreifen gedenkt: 'Give me 50.000 black angry role-models/ take me to D.C./ I throw the first fucking bottle cause I don’t give a fuck about the media existence and I don’t give a fuck about non violent resistance/ civil rights were not suffices/ in the name of Jesus Christ they got my soul on ice' ('Soul On Ice'). Musikalisch gelingt RAS KASS ein ganz hervorragendes Coast-To-Coast-Album mit typischen Westcoast- (Polizei/Hubschrauber/Sirenen-Samples, einer ganzen Menge satter funky Beats und Samples) wie Eastcoast-Elementen (Klavierpassagen, Glockengeläut und jene gewisse klebrige Langsamkeit, die bisweilen ziemlich an TripHop erinnert). Ob gänzlich reduziert oder üppig arrangiert, es sind die Stimmungen, die RAS KASS herzustellen weiß und denen er mit seinem ganz ausgezeichneten Rapstil jederzeit den nötigen Drive gibt. Von seinen Qualitäten haben PHARCYDE schon im Frühjahr (beim Interview) geschwärmt, jetzt weiß ich wieso.



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