BEWERTEN
 

Welcome To The Dollhouse

»USA 1995«

[R: Todd Solondz; D: Heather Matarazzo, Daria Kalinina, Matthew Faber]

Text: Autor unbekannt

Alljährlich im Januar fällt halb Hollywood mit Hunderten von Journalisten im Schlepptau in die verschlafene Kleinstadt Park City ein. Dort, in den verschneiten Bergen von Utah, prügelt man sich dann verbissen um die besten Plätze am Skilift, heiß begehrte Kinosessel und die “next big things”: Das Sundance Film Festival, von Robert Redford einst als Forum für junge Regisseure gedacht, ist inzwischen zu einem chaotischen Riesen-Event mutiert, einer gigantischen Talentbörse, auf der der Nachwuchs an den Meistbietenden verscheuert wird. An sich wäre das gar nicht mal so schlimm, wie sich’s anhört - schließlich hat nahezu jeder, der hier antreten darf, den Traum von Hollywood im Hinterkopf -, die eher bescheidenen Filme aber, die in Sundance inzwischen zu zweistelligen Millionenbeträgen verkauft werden, können dem Hype, der um sie veranstaltet wird, oft kaum noch standhalten.
Dieses Problem dürfte auch der diesjährige Sundance-Gewinner “Welcome to the Dollhouse” haben.

Der zweite Film von Todd Solondz ist eine Art Frontbericht vom Überlebenskampf einer Teenie-Außenseiterin. Die elfjährige Dawn Wiener (Heather Matarazzo) ist häßlich, ihre Klamotten sind häßlicher und ihre Persönlichkeit nervtötend. Sie wird sich niemals zum schönen Schwan mausern oder die Königin des Abschlußballs werden. Dawns Familie ist eine Freak-Show und das einzige, worauf sich das Mädchen in der Hölle der Junior High School freut, ist die angedrohte Vergewaltigung durch einen Klassenkameraden. Die Frage, wie Menschen zu Serienkillern werden können, wird in “Welcome to the Dollhouse” klar beantwortet: Wer ein Leben wie Dawn Wiener führen muß, kann sich unter den richtigen Umständen nur noch zu einem Amoklauf in Wartestellung entwickeln ...
Solondz inszeniert in seinem als schwarze Komödie getarnten Horrorfilm jede Szene mit absoluter Präzision und etabliert schon in wenigen Minuten perfekt Milieu und Figuren. Danach weiß der Film aber leider nicht mehr, in welche Richtung er sich bewegen soll. Er tritt auf der Stelle, eine Episode reiht sich an die nächste, und man gewinnt den Eindruck, daß “Welcome to the Dollhouse” wahrscheinlich eher einen grandiosen Kurzfilm abgegeben hätte. So aber bekommt man eine 87minütige Fingerübung zu sehen, die für den Regisseur sicher eine gute Eintrittskarte für Hollywood gewesen wäre, im Zuge des Sundance-Wahnsinns allerdings zu einem Ereignis hochgejubelt wird, das der Film weder sein kann noch will.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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