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DJ Shadow

»Endtroducing«

[Mo´ Wax / Edel / VÖ: 24.04.2002 ]

Text: Omi Hanna


Ende 1993 erschien eine äußerlich unscheimbare, in Mausgrau gehaltene Maxi, die es wirklich in sich hatte: ambienter HipHop mit derart fetten Beats, die zu hören man im wahrsten Sinne des Wortes in den Keller zu gehen geneigt war. Die Platte hieß 'In Flux', der Macher DJ SHADOW, und in Ermangelung der zeitgenössisch passenden musikalischen Einordnung ward das Genre TripHop geboren. Die Steigerung zu 'In Flux' war dann die äußerlich ebenso unscheinbare, in Schwarz gehaltene Maxi 'What Does Your Soul Look Like', vor allem Part 4, mit unglaublich rollendem Bass, weiträumigen Arrangements und fremdartigem Gebrumme, Science-fiction-Jazz (frecherweise übrigens nur dem CD-Format von 'Entroducing' beigegeben).

Musik, die SHADOW in den musikalischen Adelsstand führte und seinen Namen im gleichen Atemzug mit HENDRIX oder JIMMY PAGE (NME) erklingen ließ. Daß der Mann für weitere (vermeintliche) Überraschungen gut ist, bewies er mit Veröffentlichungen auf seinem eigenen Label „Soleside“, mit dem er eigenen (San Francisco) HipHop-Nachwuchs - LATEEF, CHIEF X-CEL und GIFT OF GAB - förderte und produzierte. Seine eigenen HipHop-DJ- und Geschäfts-Lehrjahre hatte er übrigens bei PARIS verbracht.
Soviel zur Geschichte der Überraschungen, an die SHADOW mit 'Entroducing' nahtlos anknüpft. Angefangen mit dem Farbbild-Cover (des Jahres!), das den Vinyljunkie bei seiner Lieblingstätigkeit, dem Plattenwühlen, überrascht und abbildet - hervorragend (und selbstreferentiell). Zum Inhalt: eine ganze Reihe von 'traditionellen' SHADOW-Tracks wie 'Building Steam With Grain Of Salt', 'Midnight In A Perfect World' (gleichzeitig erste Auskopplung), 'Stem' und natürlich 'What Does Your ...' von gewohntem Tiefgang - dunklere Atmosphären plus Streicher und Klavier, Soundtrack-eloquente Partituren, die SHADOWs Vorliebe für Psycho- und Horrorfilme unterstreichen. (In der Tat hat er z. B. von John Carpenters Film „Prince Of Darkness“ gesampelt.) Bei 'Stem' wechseln klassische Elemente, folkloristisches Gitarrengezupfe, süßes Glockenspiel und raumgreifende Bläser mit höllisch lärmenden Punk/Metal-Trommeln, für 'Changeling' samplet er die Krautrocker TANGERINE DREAM, 'Mutal Slump' sumpft in Drum’n’Bass-Gewässern, und 'Why Hip Hop Sucks In ‘96' erklärt ein G-Funk-geeichtes Synthie und den Kommentar 'it’s the money' in nur 43 Sekunden. So sei ihm aus Germania der neue Titel des „WAGNERs des HipHop“ angediehen, obgleich (oder gerade deshalb) irgendwie unklar ist, ob 'Entroducing ...' 'ernst' oder doch 'nur' als gelungener Zubringer von Scheinchen gemeint ist - für die wichtigeren (musikalischen) Dinge im Leben.



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