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»Music From Bali«
[Schott Wergo]
Text: Autor unbekannt
Diese Form balinesischer Musik ist Zeugnis einer sehr individuellen Musikgeschichte. Bali, ein kleiner zu Indonesien gehörender Inselstaat, ist zwar touristisch erschlossen, jedoch nicht von westlicher Kultur versaut, was die Bewahrung dieser traditionellen Ensemblemusik belegt, die nur zu oft als Glockenspielgedengel abgetan wird. Den komplexen Zusammenhang der verschiedenen Komponenten eines Gamelan Seman Pagulingan (ursprünglich höfisches Ensemble, das den 'raja' in den Schlaf spielte) darzustellen, würde hier den Rahmen sprengen, findet jedoch im Booklet der CD aufwendige Beachtung. Grob gesagt, besteht ein Gamelan-Ensemble aus mehreren Buckelgong- bzw.
Bronzeplattenoktaven. Diese verschiedenen Einheiten unterscheiden sich in der Tonhöhe, spielen in der Gruppe ohne ausgesprochene Solo-Funktion und werden durch eine Kernmelodie zusammengehalten. Traditionellerweise wird aus einer siebentönigen Materialskala in den Kompositionen ein fünftöniger Modus abgeleitet, der sich jedoch durch das Hinzunehmen der ausgelassenen Töne innerhalb eines Stückes wieder ändern kann. Die heutige populärste Stimmungsart eines Gamelan Semar Pagulingan ist Selisir, in der die Töne ding ('e'), dong (graduell erhöhtes 'f'), deng ('g'), dung (graduell vermindertes 'h') und dang ('cis') enthalten sind. Diese mit westlichen Maßstäben nicht notierbaren Töne werden in instrumentalen wie auch tanzmusikalischen Kompositionen miteinander versponnen, so finden wir auf dieser CD sowohl mit 'Pengawé' eine klassische Instrumentalkomposition mit mehreren Sätzen als auch mehrere 'Lègong'-Tanzstücke. Die Melodiebögen innerhalb einer Komposition um die Kernmelodie unterscheiden sich in Tempo und Dominanz, immer unterlegt von Pulsschlägen größerer Gongs und Rhythmen zweier Trommeln. Eine derart unzureichende Darstellung dieser einmaligen Musik könnte ab jetzt nur noch ausufern, so sei nur kurz auf den Stellenwert dieses weltmusikalischen Kleinods eingegangen. Der akustische Reiz für unser Ohr besteht in der Entrücktheit der tonalen Zusammenhänge balinesischer Harmonien, in der zwar eindeutig kleine und große Sekunden zusammenklingen, jedoch nicht als solche kompositorisch berücksichtigt oder vernachlässigt werden. Eine besondere Wirkung entsteht durch den spärlichen Tonumfang und kommt vielleicht dem nahe, was uns die Minimalistik zu vermitteln trachtet. In der balinesischen Kultur gelten diese von uns als minimalistisch empfundenen Kompositionen als komplexe Strukturen, in denen sich sowohl Weltbilder als auch religiöse Auffassungen manifestieren. Ohne weiteres würde ich diese Platte auch denen empfehlen, die sich ambientesker Musik verschrieben haben, ohne in Betracht zu ziehen, daß sich der Weg 'moderner' Musik im Grunde zu diesen archaischen Formen von Komposition zurückbewegt.
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