BEWERTEN
 

Tricky

»Pre-Millenium Tension«

[Island / Mercury / VÖ: 11.11.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Unglaubliche Platte! 'Sei gewarnt, auf meinem Lager ist die Süsse immer gewesen - SCHLANGENSOHN. SCHWEIG - LAUTER. Ich versuche Spezialitäten Babylons/ Himmel - wie alles hier - Eiskalt - ... Krank ist die Zündung nach der Schlacht/ Bleib wie’s ist - Saturngerichte/ Himmel und Hölle - Palast des Wahnsinns/ Ich bin dein Krieg - Liebesgeschichte' („Heimweh“, TON STEINE SCHERBEN 1981). Worte, die TRICKY auf den Leib geschrieben sein könnten, Analogien, die damals wie heute für Aufbruch/Suche stehen. Postmodern betrachtet, das Verschwinden der Öffentlichkeit und das Dilemma des Individuums (Subjekts) auf den Punkt bringen. Doch der Reihe nach: TRICKYs Debüt wies zumindest noch einen musikalischen Ausweg, das Stilmittel der Verzerrung (oder auch einfach Krach) war zwar immanent, wurde bei NEARLY GOD dominierend und erreicht mit 'Pre-Millenium Tension' seinen vorläufigen Höhepunkt.

Musik, die provoziert, rebelliert, fesselt, erstaunt, mit Formen bricht, Hand an die eigene Kehle anlegt und einem all die kleinen häßlichen Geheimnisse des Begehrens, der Habgier und des Neids entgegenschleudert. 'Hell is' nach wie vor 'around the corner' und vor allem im eigenen Kopf/Bauch, und genau darin liegt TRICKYs Kraft, das nämlich schonungslos offenzulegen. Abgesehen davon, daß die Sparkasse ihm vermutlich liebend gern ein Konto einrichten würde, verletzt er damit empfindlich die öffentliche Spähre, der Mann ist alles andere als integer und damit höchst explosiv. 'I mess up your language and in the meantime I create my own“ („Christiansands“); 'my evil is strong/ I lie awake and hate you, maybe that´s strong enough to make you/ something happen, a car crash, make you pay with a weapon/ A gun in your mouth, my voice in your mind/ sleep and I´ll find you, just put my mind to' („My Evil Is Strong“). Wenig später jedoch rappt er im gleichen Lied: 'gifted, even God God scared/ man the things we do/ makin´children/ strong enough to take a life/ but are you strong enough to care for one/ I my pray on it/ stay on it and stay on it pray on it ...' Gegensätze, die TRICKY vereint: 'I wish I didn´t feel/ I wanna do bad things in those movies/ they say squeeze never pull it/ muscles wrapped around the bullet/ ... I wanna break those chains ... I wanna be a homeboy from the hood ... a chief of the cherokee' („Bad Things“). Gegensätze, die die Möglichkeit des Wandels beinhalten, so wie New York zweite Heimat TRICKYs geworden ist und damit auch HipHop als referentieller Rahmen wieder deutlicher mit Stücken wie 'Ghetto Youth' und 'Tricky Kid' (siehe „Grassroots“-EP) hervortritt. In all dem Chaos spielt Martine natürlich nach wie vor (nicht nur 'persönlich' - TRICKY und Martine haben zusammen ein Kind) eine Hauptrolle, interpretiert mit 'Lyrics Of Fury' wieder einen alten HipHop-Klassiker und beschert uns die wunderschöne Ballade 'Makes Me Wanna Die'. Eine Platte, mit der TRICKY in all den Wirren unbeirrt seinen Weg fortsetzt und hoffentlich nicht wie RIO REISER strandet. Die Probleme sind benannt, die Möglichkeiten zu allen Seiten offen, wer Ohren hat, der höre, und der Kopf ist rund, weil, sie wissen schon.



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