BEWERTEN
 

Gretchen Dutschke

»Rudi Dutschke: Wir hatten ein barbarisch schönes Leben«

[Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3-462-02573-2, 512 S., DM 48,-]

Text: Autor unbekannt

Da

s barbarisch schöne Leben Rudis, biographiert von seiner Frau Gretchen. Streiks, Proteste, Strassenschlachten, Revolution - die APO von innen, unbekannte Details, Anekdoten und Geschichtchen aus den wilden 60ern. So oder ähnlich hatte ich mir dieses Porträt vorgestellt.
Statt dessen halte ich eine seltsam farblose, bisweilen peinlich lebensfremde Dokumentation in den Händen und komme aus dem Staunen kaum heraus - um mit Wiglaf Droste zu sprechen: dagegen versprüht selbst ein Zeuge Jehovas noch Hedonismus und Daseinsfreude.
Ich bin zwar erst 1963 geboren, aber diese Gestalt soll Rudi Dutschke sein? Ein von seiner Mutter noch aus der Ferne gegängelter, im real nicht existierenden Rationalismus herumirrender Mensch mit machoesken Zügen? Einer, der Liebesbriefe wie diesen \"komponiert\": \"Ja, der Zustand war auf Dauer für Dich untragbar, für mich war es eine harte Belastung physischer und psychischer Art, ich trug und trage das gerne, hattest Du doch die Chance, mich und meine Welt kennenzulernen, hatte ich die Möglichkeit, Dich meine Zuneigung manchmal fühlen zu lassen\"? Und was ist mit Che? Ein toupettragender, nichtrauchender Antialkoholiker? Schnöde alte Welt.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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