BEWERTEN
 

Macht der Magie

»Rocket From The Crypt«

[19.09.96 - ULM, Y]

Text: Autor unbekannt

„Dankaschään - as we say in Showbusiness.“ Speedo ist gut drauf, und dies hier ist wahrhaft großes Showbusiness. Sechs Männer mit silbernen Paillettenhemden in einer 70er-Jahre-Schuhschachtel, dazu bunte Glühbirnen und all das. Die Bühne ist unwesentlich größer als eine Telefonzelle und links in die Ecke gepfercht, der Club gut beschweißt und randvoll - eine Ausgangsposition, die für die einzige Rock’n’Roll-Band San Diegos wie geschaffen zu sein scheint. Trotz der in diesen Verhältnissen obligatorischen Soundprobleme treten und pfeffern ROCKET FROM THE CRYPT dann auch vom ersten Ton an in den Arsch, daß es pfeift, meist nur unterbrochen von souverän-launigen Ansagen wie „Are you all wearing your dancing shoes?“ oder „Somebody told me that there are only Techno-Fans in Ulm - You prove the oppoosite!“ und dann immer wieder „Thanks for comin’ out, we’re ROCKET FROM THE CRYPT“, und weiter geht’s.

Der Hochgeschwindigkeits-Rock, der durch die schwer scharfen Bläsersätze eine Intensität sondergleichen gewinnt, entwickelt sich auf der Bühne zu purer, spontaner Magie, die den Besucher kaum stillstehen läßt und Frontmann Speedo sogar nach vier Songs seine liebevoll gegelte Tolle kostet. Schwerpunkt des Straight-In-The-Face-Sets (60 Minuten Vollgas ohne Zugabe) sind die Songs des letzten Albums „Scream, Dracula, Scream!“, das sich ja nicht zuletzt durch die Single-Auskopplung des Superkraftbolzens „On A Rope“ urplötzlich in den englischen Charts findet, sowie der schwer erhältlichen 10“ „The State Of Art Is On Fire“. Das macht Riesenlaune, breites Grinsen auf der Bühne und weitestgehend im Publikum, so muß es sein, auch wenn die Reaktionen in Ulm euphorischer hätten ausfallen können. ROCKET FROM THE CRYPT sind definitiv eine der besten Rock’n’Roll-Kapellen unserer Zeit, leider aber birgt das hierzulande augenscheinlich noch zwei Nachteile in sich: 1. haben es bis jetzt zu wenige bemerkt und 2. sind sie wohl viel zu cool für diese Welt.
Es ist noch nicht aller Tage Abend, Folks.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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