BEWERTEN
 

Frank Zappa

»Läther«

[RYKO / RTD]

Text: Autor unbekannt

Irgendwo in diesen vielleicht ausführlichsten Liner-Notes aller Zeiten steht, 'Läther' sei nicht bloß '... das große, unveröffentlichte Meisterwerk, eine nostalgische Angelegenheit für Langzeitfans ...' Aber mal ehrlich, folks, let's get serious: Alles, was post mortem aus der Hinterlassenschaft ZAPPAs veröffentlicht wurde, wird und werden wird, wendet sich vor allen Dingen an ebendieses Klientel - 'The Lost Episodes' etwa vom Anfang des Jahres ist viel zu speziell für Nichteingeweihte und 'Läther' als Einstieg ein zu schwerer Brocken. 'Studio Tan' zur Gänze, aber nicht am Stück, ein bißchen 'Orchestral Favorites', bißchen mehr von 'Sleep Dirt', unveröffentlichte Versionen alter Haudegen wie 'Broken Hearts Are For Assholes' in beinahe laid back-condition, das ewig unterbewertete 'For The Young Sophisticate' sowie 'I Promise Not To Come In Your Mouth' vom 'Zappa In New York'-Album heißt jetzt 'Läther'.

„Na und!?“ mag man da sagen und das Ganze für einen ziemlich dreisten Nepp halten, den der ZAPPA Family Trust da fährt. Mitnichten! 'Läther' ist Material in der Form, in der FZ selbst es anno ‘77 als 4-LP-Box veröffentlicht sehen wollte, aber am Unwillen und Unverständnis seiner damaligen Plattenfirma scheiterte, die dann lieber darauf bestand, es in Form der vier o. g. (blöde nach Stilrichtungen geordneten) Alben im Sechs-Monats-Takt auf den Markt zu schleudern. Lakonisch und unmißverständlich die Reaktion des Meisters: 'This is FRANK ZAPPA as your bogus temporary disc-jockey making it possible for you to run your little cassette machine...“ Sprach's und spielte das gesamte Material auf einem Lokalsender in Pasadena. Führt man sich ebendiese Sache, jetzt als 3-CD-Box vorliegend, mehrmals zu Gemüte, stellt man sehr schnell fest, daß sie im Vergleich zu o. g. Alben, auch zugunsten des einzelnen Stücks, deutlich mehr Sinn macht - die melodramatische Wucht vom 'Duke Of Orchestral Prunes' etwa, seinerzeit im unausgesetzten Spannungs-Auf-und-Ab des 'Orchestral Favorites'-Album ziemlich verschütt gegangen, gewinnt gleichermaßen an Präsenz und Prägnanz wie der nachgerade hübsche 'Spider Of Destiny' von 'Sleep Dirt'. Und endlich, nach all den Jahren, erfahren wir nun auch, welche Musiker hier zugange sind (mit Ausnahme von 'Zappa In New York' war dunnemals keins der Alben mit auch nur Besetzungslisten ausgestattet): u. a. BOZZIO, zweimal BRECKER, zweimal FOWLER, DUKE, O'HEARN, LEWIS, WHITE, UNDERWOOD, ESTRADA, LANCELOTTI and of course DON PARDO on sophisticated narration, ladies'n'gentlemen! Abgerundet mit vier bisher unveröffentlichten Nummern sowie den obligatorischen Miniatur-Soundcollagen aus menschlicher Konversation, mit mehrfacher Geschwindigkeit abgespielten Band- und Orchesterschnipseln und ausgesucht unappetitlichen Geräuschen, ist 'Läther' das vielleicht wichtigste, bisher fehlende Teil zur nach wie vor häufig unterbewerteten 'mittleren' Phase von ZAPPAs Oeuvre.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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