BEWERTEN
 

Crash Test Dummies

»A Worm’s Life«

[Arista / BMG / VÖ: 30.09.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Ja, ich weiß, was Ihr jetzt alle denkt. Und ich hab’s auch schon gesteckt bekommen. „Ist viel zu vorhersehbar, zu glatt ..., will einen locken mit zuckersüßen Melodien, um dann aber doch nicht konsequent genug draufzuhauen.“ Und so weiter. Ich lasse mir doch nicht das gepflegte Liedgut dieser kanadischen Popgruppe verleiden. Mit „God Shuffled His Feet“ samt „Mmm Mmm Mmm Mmm“ hatten die DUMMIES seinerzeit nicht nur einen berechtigten Durchbruch, sondern auch die Nase weit vorn, wenn es um konzeptionellen Zusammenhalt und Profil ging, was in ihrem Fall daraus bestand, intelligente Popsongs mit ein paar unkonventionellen Schnörkeln auszustatten und mit eben nicht ganz vorhersehbaren Melodien auf den Weg zu schicken.

Harmonisch unerhört komplex für just another mainstream pop band. Die graduelle Abweichung von der Norm fand in Frontmann Brad Roberts ihren seriösen Höhepunkt, ist dieser doch nicht der Entertainer mit dem obligatorischen „You know it’s all about feelings ‘n shit!“ auf den Lippen, sondern gar ein Doktor der Filosofie. Brachte er zum einen die erzählte Geschichte zurück in den formatierten Radiosong, saß er andererseits charmant lächelnd verdutzten Moderatoren gegenüber, die erstaunt feststellen mußten, daß der nicht so oberflächlich reden wollte, wie seine Musik den Anschein machte. Bevor dieses ein CRASH TEST DUMMIES-Artikel wird: Mit „A Worm’s Life“ tut die Band erwartungsgemäß keinen Riesensprung. Bemerkenswert ist das Fehlen der aufgeblasenen Produktionswände, die den Vorgänger noch so schnell konsumierbar glatt gemacht hatten. Alles klingt etwas räumlicher, sperriger, die Gitarre darf durchaus den Opener „Overachievers“ oder „My Enemies“ mit einer Verzerrung sondergleichen stören, die Band arbeitet schönerdings in einem Zimmer, und Kinkerlitzchen gibt’s nur noch wo nötig. Hat man sich erst mal vom sprunghaften Opener mit saftigen Stakkato-Breaks und netten Taktverhackstückungen erholt, kann man dem Rest des Albums mit gelassener Freude entgegenblicken und die humorig blinzelnden Stories in sich aufnehmen, denn die Worte beinhalten Wahrheiten, egal welche und für wen, irgendwas ist immer drin. Man nehme nur die Geschichte von dem Jungen, der möglichst viele Varianten ausprobiert, um sich die Zähne zu ziehen, denn „He Liked To Feel It“ (siehe grandioses Video). In „An Old Scab“ schafft es die Band exemplarisch, ein kleines Epos in dreieinhalb Minuten zu verpacken. Musikalisch werden die DUMMIES leider immer das Problem haben, knapp an der amerikanischen PUR-Variante vorbeizuschliddern. Wären da nicht der Ideenreichtum des Gitarristen (dieses Mal hieß ein Zauberwort Tremolo) und - die Stimme, Ihr wißt schon. In ruhigen Momenten möchte man sterben, bei Up-tempo-Nummern erst mal eine Runde um den Block fahren, mit dem Fahrrad, versteht sich, und überhaupt während der ganzen Platte nicht an die böse Welt denken, kann man auch nicht. Schönste Leistung: „Overachievers“, schlimmster Langweiler: „I’m A Dog“. Dazwischen ist einiges.



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