BEWERTEN
 

The Presidents Of The United States Of America

»II«

[Sony Music / VÖ: 12.11.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Das Debüt der erfrischend anderen Band aus Seattle ganz ohne morbiden Grunge, dafür allerdings mit beknacktem Bandnamen, musikhistorischer Respektlosigkeit und einer Überdosis Fun, wurde im INTRO sogleich mit einer Titelstory honoriert. Das ist gerade einmal ein Jahr her. Mittlerweile hat sich eben dieses Album selbstredend lockere 4 Millionen (!) Mal verkauft und den PRESIDENTS OF THE UNITED STATES OF AMERICA einen imposanten Erfolg beschert. Nach ausgiebigem Touren schüttelte das Trio jetzt mit scheinbar ungebrochener Leichtigkeit und geradezu jugendlich frischem Elan ein Dutzend neuer Songs und ein Vielfaches an Gimmix in gerade einmal drei Wochen Studioaufenthalt und kompletter Eigenregie aus dem Ärmel, als habe es das Debüt und dessen Vorgaben gar nicht gegeben.

Hat es aber nun einmal. Und daß die gut halbstündige Kurzweil auf „II“ nichts Neues im eigentlichen Sinne bringt, könnte zum großen Problem des vielleicht bezeichnend betitelten, verflixten zweiten Albums werden. Muß es aber nicht. Denn wie schon beim Debüt gelingt es dem lustigen Trio (auf dem Cover ebenso bezeichnend als Edelmann, Holzfäller und Goldgräber dargestellt), sogar gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden. Daß dies nicht mit einem stilistischen Kurswechsel einhergeht, ist ebenso beachtenswert wie bezeichnend. Mit einer geradezu kompromißlos erscheinenden Unkompliziertheit und dem Schalk-Idealmaß im Nacken vermögen die drei Motorsportfreunde einfach erstklassig zu unterhalten. „What is your desire? ... Are you prepared to rock?“ fragt Sänger und Texter Dave auf dem stilvoll am Tag der amerikanischen Präsidentschaftswahl erscheinenden Album, und sogleich brausen mit „Lunatic To Love“ und „Volcano“ zwei ausgesprochene Trümpfe einfach nur so los und leiten damit ein wahres Feuerwerk an spritzig-frischen Party-Nummern ein. Gegenüber dem Erstling schlichtweg noch straighter umgesetzt, transferieren die Songs das Katz & Maus-Spiel mit gängigen Rockismen in ein massenkompatibles, aber nie banales Tohuwabohu aus Upfront-Harmonien und geradezu manifestierter Verspieltheit, sprich in den puren Spaß an der Sache. Augenzwinkernd setzten die PRESIDENTS OF THE USA konsequent auf eine Paarung von im Vordergrund stehendem, ebenso klar artikuliertem wie profanem Nonsens („Puffy Little Shoes“) und schlichtweg raffiniert instrumentierter Unbekümmertheit („Froggie“), ob nun mit oder ohne two-string „basitar“ und three-string „guitbass“. Die beeindruckende „Funktionalität“ ihrer Songs setzt kein technisches Können voraus, selbst musikalische Virtuosität wäre schließlich ein zu persiflierendes Klischee. „II“ ist ein sich selbst nicht ernst nehmendes Rockalbum mit enormen Hitqualitäten und nicht enden wollenden musikhistorischen Déjà-vu-Erlebnissen. Derart „aufrichtige“ Schlitzohrigkeit muß einfach belohnt werden, will sagen: „Das Spektakel“!



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