BEWERTEN
 

Alfred Lichtenstein

»Große Mausefalle: Groteske Gedichte«

[Eulenspiegel Verlag, ISBN 3-359-00784-0, 128 S., zweifarbiger Druck, DM 38,-]

Text: Autor unbekannt

„Leb wohl Berlin, mit deinen frechen Feuern./ Lebt wohl, ihr Straßen voll von Abenteuern./ Wer hat wie ich von euerm Schmerz gewußt./ Kaschemmen, ihr, ich drück euch an die Brust.“ Diese Zeilen entstammen dem Gedicht „Gesänge an Berlin“ des expressionistischen Lyrikers Alfred Lichtenstein, der vor 82 Jahren starb, im September 1914, vier Wochen nach seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag, als Soldat im ersten Weltkrieg bei Vermandoville in der Nähe von Reims. Zur Erinnerung hat der Eulenspiegel Verlag Berlin einen liebevoll edierten Band mit über fünfzig seiner Gedichte herausgegeben. Jedes Poem treffend illustriert von Henning Wagenbreth mit kantigen, asymetrischen Linolschnitten.
Lichtenstein beobachtet das Leben im Moloch Großstadt.

Ein besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Randgestalten. Mit skurrilen Bildern, zynischen Schilderungen und schwarzem Humor beschreibt er wortgewaltig Begegnungen mit Prostituierten, Trinkern oder Insassen einer „Irrenanstalt“. Den eigenen Tod scheint er vorausgeahnt zu haben, im Gedicht „Abschied“ heißt es: „Die Sonne fällt zum Horizont hinab./ Bald wirft man mich ins milde Massengrab./ Am Himmel brennt das brave Abendrot./ Vielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot“.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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