BEWERTEN
 

Intelligenter Techno im Rock-Format

»WARP-Showcase mit Freeform, B12, Autechre und diversen DJs«

[21.07.96 - Bremen, Modernes, ca. 600 Besucher]

Text: Autor unbekannt

Waschechte Clubber mußten ihren inneren Zeiplan schon etwas umstellen, um an diesem Abend in den Genuß der drei zur Zeit wohl interessantesten „WARP“-Acts zu kommen. Denn bereits um 20 Uhr, wenn andere Menschen noch gemütlich kleine, bunte Tabletten zum Kaffee zu sich nehmen, stand der erste Live-Act auf der Bühne. Wobei man bei solchen Übertragungen von Techno/House-Kultur in reglementierte Rock-Schemata natürlich mit dem Begriff \"live\" vorsichtig umgehen muß, denn auf der Bühne des \"Modernes\" bewegte sich, mal abgesehen von dem kleinen Männchen, nur schwach beleuchtet von einer großen Terminal-Konsole, natürlich gar nichts. Und so trauten sich auch nur einige hartgesottene Tänzer zu den mitunter recht holprigen Beats von FREEFORM auf die Tanzfläche, wärend sich das Gros der Besucher auf den hinteren Kinosesseln in einer Mischung aus interessiertem Mitwippen und aufgesetzter Langeweile gefiel.
Anders dann, als nach einem längeren DJ-Set Michael Golding und Steve Rutter alias B12 die Regler in die Hand nahmen.

Auf einmal kam Bewegung in die bunt gemischte Besucherschaft, die sich sowohl aus kahlrasierten Ravern wie auch typischer Indie/Rock-Klientel zusammensetzte. Immerhin waren die beiden Akteure nicht so cool und distanziert, obwohl eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Publikum durch die abgesperrte und erhöhte Bühnenkonstruktion erschwert wurde. B12 zeigten sichtlich Freude an der Livemischung ihrer einzelnen Konserven-Tracks, wackelten fröhlich hinter der Steuerkonsole herum, blendeten und triggerten ihre Loops, daß es eine Freude war. Zumal das Material wesentlich eingängiger und melodischer organisiert war als bei ihrem Vorgänger. AUTECHRE hingegen versteckten sich in der völligen Dunkelheit der Bühne, die auch bis zum Ende nicht erhellt wurde. So waren die beiden Macher nur als glühende Zigarettenspitzen und als gelegentliches Umherhuschen von Taschenlampen zu identifizieren, wärend sie mit ihren schweren, vertrackten Beats die Massen in einen kollektiven Trancezustand versetzten. Nicht locker und lustig, dafür aber tief bis auf den Grund der Hardware.
Zum Abschluß auch ganz konzerttypisch der Abgang der meisten Besucher, die den letzten DJ-Set nicht mehr abwarten wollten. Richtig, dies war ja keine Party, sondern ein richtiges Konzert mit Stars und Fans, deren Auftritten und anschließendem Applaus - nur eben gänzlich ohne Show - gewesen.



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aus Intro #37 (September 1996)
 
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