BEWERTEN
 

Thomas Brussig

»Helden wie wir«

[Verlag Volk und Welt, IBN 3-353-01037-8, 328 S., DM 36,-]

Text: Autor unbekannt

Thomas Brussig erzählt seine Geschichte, erzählt die Geschichte des Klaus Uhltzscht aus dem Osten Berlins: “Ich war`s. Ich habe die Berliner Mauer umgeschmissen.” Mit diesem Bekenntnis beginnt Brussigs Roman. Was folgt ist klar: das Wie.
In der Figur des Klaus Uhltzscht begegnet dem Leser ein Ostberliner, der unter den Pressionen des Elternhauses - den Mahnungen seiner “Haste-schon-wieder-daran-rumgespielt?“-Mutter und den “Hat-er-das-verbrochen?”-Anklagen seines Vater - auf dem Weg seiner pubertären Entwicklung hin zur Selbstbestimmung immer den entscheidenden Schritt hinterherhinkt. Dagegen steht der Anspruch des Klaus Uhltzscht nach größter, ausgelebter Potenz und die Anwartschaft auf (irgend)einen Nobelpreis.

In ostalgischer Atmosphäre erzählt Brussig, wie Uhltzschts Heldentraum über die Erfindung der „Perversionenkartei“ und die unwissentliche STASI-Mitgliedschaft seine Befriedigung findet. Versagt er sich, “seine Trompete zu polieren”, so ist es am Ende dieses Instrument, das zum Mauerdurchmarsch bläst, weniger die Berliner Mauer “verbricht”, sondern aufbricht.
Zweifelhaft mutet der vermeintlich “aggressive Ton” (Günter Grass) des jungen Autors im Umgang mit Deutscher und eigener Geschichte an, vielmehr scheint hinter mancher Zeile die naive (An)Klage gegen den eigenen Lebenslauf und die verpaßte Möglichkeiten des dreißigjährigen Autors hervor.
Beste Unterhaltung. Ein Muß-Buch.



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