BEWERTEN
 

Claes Holmström

»My Generation«

[Aufbau Taschenbuch Verlag, ISBN 3-7466-1140-7, 406 Seiten, DM 16,90]

Text: Markus Weckesser

"Die Degeneration meiner Generation", singen TOCOTRONIC und erzählen von dem, was ist, und dem, was war. Das macht Jimmy Hjort, der Erzähler des als "europäischer Generation X Roman" ankündigten Buchs zwar auch, doch zu keinem Zeitpunkt kommt er auf die Idee, seine Situation zu reflektieren. Er lebt einfach in den Tag hinein und verläßt sich auf die monatlichen Zahlungen des Sozialamtes. Und wenn er mal wieder pleite ist, dann muß eben seine heißgeliebte Schallplattensammlung (only Vinyl!) dran glauben. Musik ist neben Film und Tennis nämlich so ziemlich das einzige, was den ehemaligen Filmwissenschafts-Studenten interessiert.

Mit seinen Freunden gurkt er, bevorzugt im Taxi, von Party zu Party, von Kneipe zu Kneipe und verschlingt Unmengen an Junk Food, Zigaretten, Mädchen und Drogen. Nach zwei Seiten weiß der Leser meist nicht mehr, was zu Beginn des Kapitels gelaufen ist - genau wie Jimmy. Der zähe Fluß des immer gleichen wird gelegentlich durch kindische Wutausbrüche und aggressive Trotzreaktionen unterbrochen. Wenn die Zeitung nicht kommt, ist das für die Figuren schlimmer als jede Umweltkatastrophe. Die Punk-Generation war in ihrer Verweigerung aktiv und schrie ihr "No Future" heraus. Claes Holmström (Jahrgang 1967) aber entwirft das trostlose Bild einer post-hedonistischen Generation, die nurmehr in einem "Koma-Präsens" hinvegetiert. "My Generation" ist die ideale Ergänzung zum Big Mac-Menü mit Cola ohne Eis: ein kurzweiliger Schmöker wie ein Wrigleys-Streifen mit Zucker.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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