BEWERTEN
 

De Puta Madre

»Une Ball Dans La Tête«

[9 mm Rec. / Ninety-Nine]

Text: Autor unbekannt

DE PUTA MADRE gehören ohne Zweifel zu diesen Bands, die sich schon sehr genau überlegt haben, wie sie klingen wollen. Bei der Schaffung ihres Sounds muß man ihnen wirkliche Akribie bescheinigen, denn sie haben alles Mögliche und Unmögliche ein-ge-baut-woben-samplet und erreichen dadurch bei starker Ähnlichkeit mit ihren Vorbildern doch auch das nötige Maß an musikalischer Eigenheit. In einem funkigen Morast aus manchmal weniger fetten bis scheppernden Beats und dicken Basslinien werden hier zahllose kleine bis große Geräuscheffekte vermatscht (ich möchte das eher wie die heilende Wirkung einer Fangopackung verstanden wissen!), so daß man bei jedem Hören etwas Neues entdecken oder zumindest neu deuten kann.

Das macht gerade in einem bewußtseinserweiterten Zustand riesigen Spaß, genauso wie ich mich nicht daran erinnern kann, jemals Walgesänge (?) oder hawaiianisch anmutende Klänge auf einer HipHop-Platte gehört zu haben. Natürlich ist das nicht über die ganze Plattenlänge durchzuhalten, und so rutscht einige Male (vor allem bei 'Je Te Ray') etwas viel Abkupferei hinein. Doch bei der Ähnlichkeit zum CYPRESS HILL-Sound (jetzt ist es endlich raus!) ist es sowieso recht schwierig, diesem 'Vorwurf' zu entgehen. Dafür rappen DE PUTA MADRE auch in mehreren Sprachen von Französisch über Englisch bis - ich glaube - Italienisch und sind damit auf jeden Fall vorne. Definitiv einen Einklinker wert! Und wo wir schon bei den alten Tagen des Rap (s. MC REN) sind: Ohne BDPs '9 mm Goes Bang' wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, ein Label nach diesem Kaliber zu benennen. Das aber nur am Rande. 5 Berthold Bauer1 MC REN 2 Da Villain In Black 3 (Ruthless / Sony) Jeder neue Solo-Output eines ehemaligen N.W.A-Mitglieds macht es nur um so deutlicher, daß deren Auflösung wohl unumgänglich war. Nicht nur wegen finanzieller Dispute, die beim Weggang von ICE CUBE (und auch danach noch mit-) entscheidend waren, sondern vor allem - und das Kapitel endgültig abschließend - wegen der unterschiedlichen Neuorientierung der vier restlichen Mitglieder: DR. DRE, der mit der Gründung von „Death Row' zum großen Abräumer im Rap-Biz wurde, EAZY E (R.I.P.), der seinem Ruf als selbsternanntes kleines Arschloch treu blieb und reichlich schmutzige Wäsche mit dem Erstgenannten wusch, DJ YELLA, der erst dieser Tage mit einer Soloplatte wieder auf seine Existenz aufmerksam machte, und MC REN, der schon kurz darauf seine Erfüllung in den Lehren der N.O.T. suchte, fand und spätestens seit seiner letzten Soloplatte 'Shock Of The Hour' auch entsprechend kundtat. Deutlich davon beeinflußt ist auch sein neuestes und drittes Album 'Da Villain In Black': Das Stück 'Muhammad Speaks' bietet denn auch wie immer sehr plastisch ausgemalte Farrakhansche Redekunst vom Feinsten zur 'Ausweidung' der Schwarzen in Amerika. Wie das alles mit den alten Gangsterismen (der Titel des Stückes 'Still The Same Nigga' sagt es) zusammenpaßt, bleibt mir als Außenstehendem doch etwas schleierhaft. Auch der Opener 'Bitch Made Nigga Killa' (RENs neue (?) Selbstumschreibung) wirft mir Rätsel auf. Erwiesenermaßen gehörten gerade N.W.A und die Solisten dahinter zu den Personen, die diesen Begriff (inkl. Denkweise) durch einen ihnen typischen, geradezu inflationären Gebrauch in der Sprache des Rap angesiedelt haben. Nur allzu verständlich, daß man trotz aller Läuterung schwer davon lassen kann. Doch stellt sich mir die Frage, ob REN in diesem neuen Zusammenhang damit nun sagen will, daß seine eigene Mutter eine ebensolche ist, oder ob er über die generelle Anwendung des Begriffes auf Mütter versucht, die grundlegende Denkweise einer etwas reflektierteren Betrachtung auszusetzen, um diese (wahrhaftig überflüssige) Problematik neu zu ordnen? Was mache ich sozialpädagogischer Moralapostel mir da auch Gedanken? Musikalisch ist REN auf jeden Fall gewachsen. Was auf 'Shock Of The Hour' manchmal noch etwas unausgeglichen klang, hat er durch eine Rückbesinnung auf alte Zeiten einfach weggelassen. 'Mad Scientist', der herrschende Song des Albums, erinnert in seinem düster-bedrohlichen Funkgewand stark an alte N.W.A-Zeiten. Sehr schön auch 'Mind Blown', das mich mit seiner getragenen Grundstimmung und in seiner Umsetzung mit weiblichem Chorus an ein Stück der GETO BOYS (sagt mir nur, welches!) erinnert. Und wo wir gerade bei alten Zeiten und weiteren Fragen sind: Ist 'Live From Compton It's Saturday Night' mit seinem Schweinemetal-Riff und aufgrund vorherrschender Titelähnlichkeit gar eine Hommage an den Urgroßvater des Gangster-Rap, SCHOLLY D? Auch anderen Protagonisten dieser Ära, wie BDP und ICE T, zollt REN kräftigen Tribut. Rückbesinnung ist derzeit sicherlich nicht die schlechteste Alternative im Rap. Von daher ist 'Da Villain In Black' auf jeden Fall ein Gewinn.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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