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»Klangsystem«
[INFRACom / Public Propaganda / VÖ: 04.08.1997 ]
Text: Autor unbekannt
Kleine Anekdote vorweg: Eines schönen Nachmittags geruhte ich, die Alben der MARSCHMELLOWS und des MIKOLAJEWICZ zu besprechen. Erstere erklangen in angenehmer Lautstärke mit dem Ergebnis des sanften Entschlummerns. Für kurze Zeit trieb mich die wunderschöne Stimme Cybèles in einen vorübergehenden wachen Zustand, um alsbald um so entspannter zu ruhen. 'Musik, nach der mensch einschlafen kann, ist einfach klasse', so die treffenden Worte des Sven MIKOLAJEWICZ. Wie wahr, beide Alben sind auf ihre unterschiedlichen Arten und Weisen sehr entspannend.
Die MARSCHMELLOWS kommen aus Frankfurt, der „INFRACom'/'Tribes Of The Underground'-Fame, und tüfteln gekonnt mit Sounds, die sie als eine Variation zwischen Gefälligkeit und Störsounds beschreiben.
Im Bereich der Gefälligkeit tummeln sich sehr nett zu hörende Rhythmen unterschiedlicher Genre, ambiente Keyboard-Klänge und eine nicht geringe Anzahl an Samples „Mo´Wax'scher bzw. „Ninja'nischer Herkunft sowie die gesangliche Begleitung Cybèles in drei Stücken. Diesen in sich gefälligen Klangkompositionen fügen sie technoide bis elektrolyte Störsounds bei, die der ganzen Sache einiges an Spannung verleihen. Demnach setzen die MARSCHMELLOWS deutlich auf künstliche, 'artificial' Sounds aus und mit cluberprobten Beats von HipHop über Dub bis House und Ambient/Tribal, resultierend aus dem Klangsystem moderner DJ-Equipment-Technologie.
Demgegenüber verwendet MIKOLAJEWICZ traditionelle Beats, Breaks und Samples, deren referentieller Rahmen aus mellow Soul, Funk und Jazz der 70er besteht und vom Sound her entsprechend erdiger und weniger verspielt klingt. Entstanden ist sein Album übrigens zwischen all dem FISCHMOB-Trouble und wohl eine Art persönliches Chill-out-Tape, nur daß es der Svenne faustdick hinter den Ohren hat, so was eben mal locker zu Hause nebenbei produziert und ganz viele Samples/Sounds in petto hat, die für FISCHMOB auch ziemlich ungeeignet wären. So hören wir, daß er SHADOW mag, ohne weiteres fette, schleppende und voluminöse Beats aus den Boxen kitzelt, gerne duscht, daumendicke Bassläufe bevorzugt, mit Wolkenbrüchen, Meeresplätschern und Streichern auch mal gerne in etwas geheimnisvollere, leicht psychedelische bis fantastische Atmosphären abtaucht und sich sowieso gerne der Narkolepsie (anfallsweise, mehrmals täglich auftretende unwiderstehliche Schlafsucht von einigen Minuten Dauer) widmet. Insgesamt supersauber produziert und zwar nicht das erste, so aber das bislang auf seine Art beste TripHop-Album aus heimatlichen Gefilden.
Alsdann sei es gestattet, die MARSCHMELLOWS im weitesten Sinne mit TripHop zu kategorisieren, so daß es zur Freude gereicht, aufgrund der beiden vorliegenden Werke den Blick für neuere und interessante Musik nicht nur nach London, Tokio und New York richten zu müssen.
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