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Nearly God

»Nearly God«

[Island / Mercury / VÖ: 22.04.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Everyone´s darling TRICKY beglückt uns vor seinem im Spätsommer erscheinenden zweiten Solo-Album mit dem Projekt-Album 'Nearly God', für das er Vokalisten wie A. MOYET, BJÖRK, NENEH CHERRY, TERRY HALL und natürlich MARTINE ins Studio geladen hat. Das Schöne an TRICKY ist und bleibt seine beständige Negierung herkömmlicher musikalischer Strukturen, die, wie es in der SPEX einmal so vortrefflich formuliert wurde, Leerstellen erschafft, die danach trachten, vom Zuhörer weitergedacht zu werden. Im gleichen Maße, wie TRICKYs Musik eigentümliche Symbiosen eingeht ('my vibe is just a feeling'), an denen so manche Kategorisierungsversuche wie Butter abgleiten, stellt sich auch bezüglich der Texte die Frage, auf welcher Ebene TRICKY sich befindet ('I´m already on the other side', beide Textzeilen aus 'I Be The Prophet').

Eigentlich geht es, wie auf seinem vorherigen Album 'Maxinequaye', um Beziehungen, Kommunikation und die Frage/Suche nach einem eigenen Standpunkt, einem Platz im sozialen Gefüge. Nach dem sicherlich auch für ihn überraschenden Erfolg scheint es ihm gelegen, sich mit 'Nearly God' ein wenig im Hintergrund zu bewegen und weiter an seinem Konzept von abstrakter Musik zu feilen. Von „Mercury' als Konzeptalbum mit Cover-Versionen angekündigt, ist zunächst einmal nur 'Tattoo' eindeutig als Cover-Version von SIOUXSIE & THE BANSHEES’ gleichnamigen Stück zu erkennen. Abstrakt gedacht scheint 'Together Now' mit NENEH CHERRY eine weitere Version ihres Stücks 'Round & Round' (damals im Duett mit M. Stipes) zu sein. Des weiteren fällt bei 'I Be A Prophet' die Dominanz des gesampelten 'Cloudbusting'-Kontrabasses von K. BUSH auf, im übrigen eine seiner erklärten Lieblingssängerinnen. Im weiteren Bereich der freien Assoziation erinnert der wuchtig schleppende Beat/Bass von 'Make A Chance' doch sehr an frühere SWANS-Werke, wohingegen der Name und Titel des Albums ein Verweis auf ein späteres SWANS-Werk, 'Children Of The God', sein könnte. Schließlich, um zu dem Genre zu gelangen, in welchem TRICKY seine Musik definiert sehen möchte, HipHop, verwendet er in 'Bubbles' den GOAT-Basslauf von 'Typical American'. Typisch TRICKY hingegen seine weitgefächerte Soundpalette, von wunderschön/schmusig wie 'Poems' und 'I Sing For You' bis verschroben/noisy wie das im Äther rauschende 'Keep Your Mouth Shut'. Doch wie sagt er selbst: 'I can vibe to everything till I have to hide from everything, everybody want a piece of me ... forget the punk I pack the funk, I´m gonna take a piece of you, making money for good health, but first I learn to see myself! You promise me poems.' Letztere gibt es in Hülle und Fülle, im übertragenen Sinne sein Versprechen, der Rest liegt bei uns.



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