BEWERTEN
 

Simon Joyner

»Heaven's Gate«

[Brinkman Rec. / EFA / VÖ: 04.12.2008 ]

Text: Autor unbekannt

SIMON JOYNER ist einer dieser introvertierten Eigenbrödler, die mit minimalen Mitteln - und das schließt den Umgang mit seinem Instrument ein - eine Atmosphäre erzeugen können, in der plötzliche Veränderungen der Raumtemperatur gleich doppelt so stark wahrgenommen werden. Mit einem scheppernden Schlagzeug, einer verstimmten Wandergitarre und einigen leicht verstimmten Streichern baut der Songwriter aus Omaha/Nebraska auf seinem neuen Album seltsam zerbrechliche Bühnen, auf denen die Songs wie Miniatur-Dramen ablaufen. Schnell wird klar, daß hier offensiv gelitten wird, und zwar nicht zu knapp. Songs wie 'Kerosene' schleppen sich kraftlos und zeitlupenartig daher, sind dabei mehr Klagelieder als irgendwas anderes.

Schutzlos liefert JOYNER sich mit seiner wackeligen Stimme der Öffentlichkeit aus, so daß man sich manchmal beinah als ungebetener Zaungast ertappt fühlt, der unerlaubt in Regionen des Privaten vordringt - dabei geht es gerade um diese Zurschaustellung eines Zustandes zwischen Selbstmitleid und Verzweiflung. Bereits der Albumtitel beinhaltet spirituelle Momente, die schmale Schwelle zwischen Leben und Tod, die z. B. in 'Obituary' zu finden ist. Und wenn JOYNER dort singt 'I ran out of luck, so I went looking for someone to kill me' und statt eines Liedes eine Art Todesanzeige verfassen will, kann man für einen Augenblick schwer zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, dem Künstler und seinem Antihelden unterscheiden, doch gerade hinter dieser Verunsicherung liegt die Faszination. Auch sonst bedient er sich aus einem reichen Fundus an mythologischen Bildern und Querverweisen, undeutbaren Textfragmenten und tagträumerischen Visionen (wie beim fantastischen 'Three Well-Aimed Arrows') und erhebt damit seine Geschichten in den Bereich des Spirituellen - eine Art Gitarren-Gospel mit den reduzierten Mitteln eines Hometapers. Obwohl an einigen Stellen doch etwas zu wehleidig, ein tolles Album: dunkel und zerbrechlich, meist todtraurig, aber trotzdem von einer seltsam klaren Schönheit.



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