Jazz im Knien
»Trilok Gurtu & The Crazy Saints«
Text: Autor unbekannt
Eine schöne Atmosphäre empfing die rund 300 Gäste der CRAZY SAINTS an diesem Abend in GURTUs Wahlheimatstadt. In der siebenten Reihe saß in stiller Eintracht die gesamte Nachbarschaft des kleinen Inders, dessen Frau noch vor dem Konzert mit der gemeinsamen Tochter aus dem Backstageraum rauschte und kurz mit den Nachbarn tratschte. Die ganze Straße sei da, war denn auch von einer gemütlichen älteren Dame zu hören, woraufhin Reihe sieben die Hand zum Winken hob. \"Und du bleibst hier, bis Papa fertiggetrommelt hat?\" fragte die nette Tante das kleine bezopfte Mädchen. An dieser Stelle wurde es dann wirklich zu dümmlich familiär, wo blieb schließlich die intellektuelle Erhabenheit zwischen all diesen schamlosen Alltagsfreundlichkeiten? \"Nö, ich bringe sie gleich ins Bett.\" Stellte sich doch ohnehin die Frage, ob Klein-GURTU die Musik von Papa so toll finden würde.
21.15 Uhr.
Der ganz normale Wahnsinn offenbarte sich natürlich in TRILOK GURTUs Schlagwerkarbeit. Die Ausdauer, einen Takt wie den nächsten zu spielen, geht ihm einfach ab, Polyrhythmik gehört zu ihm wie der unstete und permanente Wechsel von Percussioneffekten, die Tabla einerseits, Mini-Gongs in Wassereimern, Tonkrügen und Glockenmanualen andererseits. Sein wahrlich einzigartiges Spiel, eine Fusion aus fernöstlich folkloristischer Percussion und modernem Schlagzeug - seine Schlagzeugkomponenten hat er sich auf Erdhöhe aufgebaut -, wurde zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Gespür für den Einsatz leiser Kratzeffekte sowie Flüstern und Murmeln machte das Intro zu \"Siddhi\" (gewidmet GURTUs Freund MARC NAUSEEF) zu einem Gänsehaut-Ereignis und den Song zu einem hehren Ruhepol im ersten Teil des Programms.
Nach der wohltuenden 15minütigen Pause zog die Band das Tempo an (\"Watapa\", wieder einer dieser Ohrwürmer). Die Melodien wurden komplexer, die Songs länger, die Experimente ausufernder. Beim letzten Stück \"Carlinhos\" sollte es denn auch nicht bleiben, begeisterte GURTU das Publikum doch vollends durch sein einleitendes Solo (sein einziges im gesamten Programm - die CRAZY SAINTS sind sehr wohl eine Band, nicht nur Statisten um den Schlagzeuger), in dem er sich selbst auf der Bühne samplete und dazu improvisierte. In diesem Stück rückte sehr schön der rhythmische Tablasilben-Gesang in den Vordergrund, in den die ganze Band mit einstieg und zu einem weiteren begeisterten Szenenapplaus hinriß. Wer die ganze Zeit still dagesessen hatte, hatte eindeutig den Groove in der Musik nicht gefunden. Doch der war da, da war ich mir mit den restlichen hinten stehenden Leuten ziemlich einig. Leider war uns nur eine Zugabe vergönnt, doch die reichte, um über zwei Stunden Konzertvergnügen vollkommen zu machen.
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