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»Stigma«
[Panser Records / Import / VÖ: 20.05.1996 ]
Text: Autor unbekannt
Da wartet man einen Monat lang mehr oder weniger gelangweilt auf neue Veröffentlichungen zwecks Rezension für die nächste Ausgabe, und es passiert im Grunde nichts, was so richtig zündet, geschweige denn vom Hocker reißt. Frustriert treibt es mich in die Räume des einzig anständigen Record-Dealers in town und siehe da, der Mann mit der goldenen Nase für überdurchschnittliche Veröffentlichungen (90% Trefferquote) zaubert ein Album aus dem Ärmel, welches alle Releases dieses Monats vergessen macht.
JACK IN THE BOX?! ..., nie gehört. ... Import, aha. Warum hat solch eine Band hier keine Plattenfirma, warum keinen Vertrieb??? Vielleicht ist ja irgendwas im Anflug, schließlich ist der Weg aus dem fernen Oslo ein langer.
Wie dem auch sei, abgeschnitten vom Rest der Welt kann dieses norwegische Quartett nicht sein, nehmen sie auf „Stigma' doch die in Bälde erscheinenden neuen KING’S X- und SOUNDGARDEN-Alben vorweg. Will natürlich meinen, daß sich die Norweger mit diesen Bands messen können, und nicht, daß sie hier und dort abgeschaut haben, wie man’s macht. Um Musik dieser Couleur zu machen, muß man sein Handwerk schon beherrschen, und diesen Beweis treten JACK IN THE BOX auf der vollen Länge ihrer Scheibe an. Vorhersehbarkeit wird hier allenfalls sehr klein geschrieben und nur dort benutzt, wo es songdienlich erscheint. Ideenvielfalt heißt das Zauberwort, und da ziehen die vier Schaffenden alle Register ihres Könnens: Vertrackte Arrangements („In 2 1000 Pieces', „Butterfly', „French Fries For Breakfast') wechseln mit wohldosierter Melancholie („Lilac Road'). Mit dem Titelsong „Stigma' haben JACK IN THE BOX darüber hinaus einen der besten Songs der letzten Zeit dieser Kategorie in petto. Selbst wenn es darum geht, einmal fröhlich-frei abzurocken, müssen diese Herren nicht passen, mit „In Tune' oder „Rockjumping' wissen sie die richtigen Antworten zu geben. Produktionstechnisch bleiben ebenfalls keine Wünsche offen, was man bei Veröffentlichungen sogenannter kleinerer Firmen nicht immer erwarten kann. Da es in Skandinavien aber ein schier unerschöpfliches Reservoir an hervorragenden Produzenten zu geben scheint, haben JACK IN THE BOX auch hier mit ihrer Wahl voll ins Schwarze getroffen.
Einziges Problem wird nun sein, an diese Scheibe heranzukommen, falls der örtliche Plattenladen keine findigen Einkäufer hat. Für diesen Fall empfehle ich, einfach das Label unter folgender Adresse anzuschreiben: PANSER RECORDS, Kalbakkveien 46, N-0953 Oslo, Norway. (Wer großes Vertrauen hat, lege vielleicht DM 30,- bei.)
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