BEWERTEN
 

Come

»Near Life Experience«

[Domino / RTD / VÖ: 15.11.2002 ]

Text: Autor unbekannt

Bereits die dritte Zwischenstation auf der Suche nach Klarheit: nach dem großartigen Debüt 'Eleven, Eleven' und dem Folgealbum 'Don't Ask Don't Tell' sind die Bostoner COME auch auf ihrem neuen Album glücklicherweise noch immer nicht eindeutig festzulegen, pendeln noch immer unstetig zwischen Sprödigkeit und Pathos, netten kleinen Gitarrenschrammeleien und ihrer so eigenen, alles zusammenhaltenden Definition von Blues. Der „SubPop'-Generation haben sie bereits früh den Rücken gekehrt, mit einem kurzen Gastspiel bei „Beggars Banquet', und sind jetzt beim britischen „Domino'-Label, haben es aber erfreulicherweise bisher nicht nötig gehabt, es sich in irgendeiner Position bequem zu machen. Dieser auf den ersten Blick vielleicht unscharfe Eindruck macht aber 'Near Life Experience' gerade zu so einer angenehmen Erscheinung in der Veröffentlichungsflut der Post-Sonstwas-Gitarrenfraktion.

COME geben nicht vor, etwas neu zu erfinden, sondern verwalten einen liebgewonnenen Zustand, den sie zugleich immer wieder mit Leben zu füllen verstehen. Irgendwo versteckt sich im Inneren jedes der acht mollbeladenen Songs ein Moment der Verwandlung, ändert sich die Stimmung, kippt die Bewegungsrichtung stark nach vorne und führt so zu einer energiegeladenen Dichte, die aber immer irgendwie klar strukturiert und überschaubar bleibt. Darüber die immer wieder faszinierende, androgyne Stimme Thalia Zedeks, die mit ihrer nüchtern distanzierten Haltung den Gegenpol zum musikalischen Pathos bildet und dabei doch immer von so etwas wie Verzweiflung spricht. Dabei bedienen sich COME einer Art von Melancholie, die mit dem momentan so häufig auftretenden Doppel Depression/Weinerlichkeit à la SMASHING PUMPKINS nichts zu tun hat. Auf 'Shoot Me First' finden sich z. B. diese dunklen und wunderschönen Momente, die nicht in Lethargie abgleiten, sondern von einer rätselhaften Kraft erfüllt sind. Bleibt zu hoffen, daß sich COME mit dieser Platte trotz ihrer öffentlichen Zurückhaltung endlich etwas mehr Gehör verschaffen können. So was wollen wir immer gerne hören.



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