BEWERTEN
 

Martin Büsser / Jochen Kleinherz / Frank Schütze / Johannes Ullmaier (Hg.)

»Testcard Nummer 1 - Pop und Destruktion«

[Testcard Verlag, ISBN 3-931555-00-3, 279 S., zahlreiche s/w-Fotos, DM 25,-]

Text: Autor unbekannt

Destruktion (hier definiert als \"reine Verhältniskategorie, welche nur in Beziehung auf ein zu Destruierendes Sinn macht\") war immer eine der mächtigsten Triebfedern der Musikgeschichte, dazu muß man sich nicht erst Leben und Tod so verschiedener Künstler wie PETER TSCHAIKOWSKY, CHARLIE PARKER, JIMI HENDRIX, IAN CURTIS oder SHANON HOON ins Gedächtnis rufen. In diesem Sinne sind natürlich die wunderbar langweiligen (scheintoten?) Musik-Ikonen wie PHIL COLLINS oder MICHAEL JACKSON nur als völlig undestruktive Musiker anzusehen. Daß aber das Prinzip Destruktion nicht nur im Pop-Kontext aktiv ist, zeigen nicht zuletzt die national-ökonomischen Theorien von Joseph Schumpeter, die um die Idee der \"schöpferischen Zerstörung\" kreisen.
Die Herausgeber dieses ersten (bereits im letzten Herbst erschienenen) Bandes von \"Testcard - Beiträge zur Popgeschichte\" haben sich also gleich zu Beginn einer Thematik zugewandt, wie sie existentieller für Popmusik nicht sein könnte.

Das Redaktionskollektiv um Martin Büsser, auch bekannt als fleißiger ZAP-Schreiber, versteht Pop im postmodernen, also stilistisch uneingeschränkten Sinne. Demgemäß weitgespannt sind auch die Sujets der insgesamt 23 Beiträge. Der Bühnen-Vandalismus von THE WHO wird ebenso behandelt wie der Punk-Aufstand und das völlig destruktive Leben eines G.G. ALLEN. Weiterhin finden fiesestes Grindcore-Gegrunze als Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit oder Fragen/Antworten maligner Avantgardisten (von Artaud bis zur Wiener-Gruppe) hier ihre sachgerechte Thematisierung. Das und noch viel mehr „hinterhältiges“ Material erwartet den Leser. Damit man mich nicht falsch versteht: „Hinterhältig“ ist hier nur in bezug auf die bösartig/destruktive Gesamtthematik gemeint.
Abgerundet wird dieses taschenbuchformatige Magazin, das zukünftig zweimal im Jahr erscheinen soll, durch themenbezogene Plattenbesprechungen sowie sehr sarkastische, fiktive News aus dem Biz (z. B. zur Auflösung der STONES). Ein Wort vielleicht noch zur Intellektualität des Bandes: Abitur ist wohl Voraussetzung. Leider, wie ich finde.



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aus Intro #33 (April 1996)
 
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