BEWERTEN
 

The Auteurs

»After Murder Park«

[Hut / Virgin / VÖ: 08.03.1996 ]

Text: Autor unbekannt

THE AUTEURS liefern mit ihrem dritten Album eine Platte ab, die - verglichen mit den beiden Vorgängern - überraschender kaum sein könnte. Kein geringerer als Mister Hardcore himself, Steve Albini, hat die Produktion für Luke Haines & Co. übernommen. Das Ergebnis ist ein rauhes, ungeschliffenes Meisterwerk, das die Dynamik und Kompaktheit des Londoner Vierers in den Vordergrund stellt. Die Texte der AUTEURS klingen weiterhin auf angenehme Weise antiquiert und angestaubt, anders als (fast) alles, was uns sonst an langweiligen 'Junge-liebt-Mädchen'-Klischees um die Ohren pfeift. Als besondere Note stehen dieses Mal mehrere Morde im Mittelpunkt. Nicht umsonst heißt die wunderschöne, an feine BEATLES-Balladen angelehnte Single 'Unsolved Child Murder'. THE AUTEURS verstehen es, gesunde Härte, intelligente Texte und ein fast schlafwandlerisch sicheres Gespür für grandiose Melodien zu einer ureigenen, edlen Mischung zu vereinen.

Nur schade, daß so etwas heute an der Kasse des Plattenladens nicht mehr zählt! (Carsten Wohlfeld)Etwas inspirationslos erscheint sie, die neuste Scheibe der AUTEURS. Obwohl sie im BLUR-OASIS-PULP-ECHOBELLY-etc.-Fieber von den britischen Magazinen etwas vernachlässigt wurden, wirkt 'After Murder Park' zwar an keiner Stelle so, als versuchten sie, sich ins Fahrwasser ebendieser zu begeben, um sich mehr als ein paar Krümel vom pfundschweren Kuchen zu sichern; dafür ist die Produktion zu spröde. Trotzdem darf das Attribut „retro' erteilt werden, nicht zuletzt dank der klassisch eingesetzten Schweineorgel. Schade ist aber, daß der Schwerpunkt nicht wie bisher üblich auf sorgfältig ausgewählte Instrumentierung gelegt wurde und zudem das Songwriting einige Wünsche offen läßt, vergleichsweise simpel sind die Parts an sich sowie die Arrangements gehalten, so daß die übliche Stimmung gar nicht erst aufkommt. Dies gilt in erster Linie für die potentiellen Single-Auskopplungen im Uptempo-Bereich, während die getrageneren Songs, zwischen Langatmigkeit ('Fear Of Flying') und unspektakulärem Liedgut pendelnd (Ausnahme vielleicht 'Married To A Lazy Lover'), schlichtweg die Emotionen vermissen lassen oder wenigstens nicht transparent genug machen. Ob Albini an den Reglern oder nicht, diese Chose ging jedenfalls gründlich in die Hose. (Joachim Henn)



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