BEWERTEN
 

Skinny Puppy

»The Process«

[BMG Ariola / VÖ: 26.02.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Vier Jahre sind seit 'Last Rights' ins Land gegangen, und fast scheint es, als laste auf dem endgültig letzten SKINNY PUPPY-Album ein Fluch: ein Feuer, das die Band aus ihrem Studio in Malibu vertrieb; Unfälle; Streitigkeiten der Musiker untereinander bis hin zum Split; schließlich der Tod eines Bandmitglieds; wieder und wieder die Ankündigung von 'The Process', der unweigerlich die Verschiebung des Veröffentlichungs-Termnines folgte. Und man darf wohl zu Recht gespannt sein, ob das mir vorliegende Vorab-Tape irgendwann in nächster Zeit auch tatsächlich in CD-Form seinen Weg in die Läden finden wird. Vier Jahre Abstinenz einer Band, die noch immer unangefochtenen Kult-Status im Elektro/Industrial-Genre besitzt, schürten die Erwartungen hinsichtlich des neuen Outputs natürlich bis an die Grenze des Erträglichen, und man konnte nur hoffen, daß der Spruch 'Was lange währt, wird endlich gut' sich in diesem Fall bewahrheiten würde.

Sicher wird die spontone Reaktion auf die erste Konfrontation mit den elf Stücken bei jedem anders aussehen, ich dachte nur: 'Nein, das ist nicht SKINNY PUPPY!' Gewöhnungsbedürftig, so läßt sich das Album wohl noch am neutralsten umschreiben. Ein Novum die z. T. unverzerrten Vocals von Sänger Ogre, ebenso die dem Zeitgeist folgend ganz unüberhörbar eingesetzten Gitarren, dann wieder ein Drift in ungewohnt ruhige Gefilde - Ohrwürmer à la 'Inquisition', 'Tormentor', 'Deadlines' oder 'Assimilate' sucht man zunächst vergeblich. Langjährige SKINNY PUPPY-Fans werden 'The Process' sicher trotz erster Enttäuschung weiterhören, denn schließlich ist und bleibt es das letzte Album der Lieblings-Band, da muß es doch einfach irgendetwas geben. Und mehrmaliges intensives Hören ist der einzige Weg. Erst ist da vielleicht nur ein einziges Stück, das einem gefällt (bei mir war's 'Hard Set Head'), doch irgendwann, ohne daß man die Entwicklung bewußt realisiert hätte, sind es nicht nur ein oder zwei Stücke, die man sich wieder und wieder anhört. Manchmal sind es anfänglich nur Facetten, winzige Fragmente aus einzelnen Tracks, die im Gehör bleiben, doch nach und nach entdeckt man, daß 'The Process' tatsächlich ein richtiges SKINNY PUPPY-Album ist mit den für die Kanadier so charakteristischen Sounds und Strukturen. Highlights sind auf alle Fälle das schon erwähnte 'Hard Set Head' sowie 'Process', 'Blue Serge', 'Morter' oder 'Amnesia'. Nicht oft dürfte es einem Album wohl gelingen, von anfänglicher Enttäuschung, verstärkt noch durch viel zu hoch gesetzte Erwartungen, eine stetige Entwicklung hin zu Gefallen, ja vielleicht sogar Begeisterung zu durchlaufen. Keinesfalls ist 'The Process' das beste SKINNY PUPPY-Album aller Zeiten, denn der selbstgesetzte Standard wird hier nicht erreicht, doch es ist zumindest ein versöhnlicher Abschluß einer langjährigen Bandgeschichte, die leider zum Ende hin nur noch durch Negativ-Schlagzeilen charakterisiert wurde.



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