BEWERTEN
 

Fleischmann

»Hunger«

[Dragnet / Sony]

Text: Autor unbekannt

Mit ihrem '94er Album 'Das Treibhaus' hatten die Berliner Martin Leeder (d.), Norbert Jackschenties (g./v.) und Michael Hoffmann (b.) bewiesen, daß sie nicht nur gute Instrumentalsongs schreiben können. Nachdem sie schon auf 'Fleischwolf' dazu übergegangen waren, einige Songs mit beißenden Texten zu versehen, wurde dieser Entwicklung ‘94 in Gänze Rechnung getragen. Selbst ihre Instrumentalsongs hatten dem Hörer immer das Gefühl von Ungestüm und Aggressivität vermittelt. Mit den Texten kam der nächste logische Baustein hinzu, um die dieser Musik zugrundeliegenden Gefühle auf den Punkt zu bringen. Die Synthese von brettharten Grooves à la PRONG mit deutscher Textierung war perfekt.

Gemessen am Vorgänger, auf dem nahezu alles zu stimmen schien, würde es das neue Album sehr schwer haben, soviel war klar. Eigentlich war ich mir trotzdem sicher, daß FLEISCHMANN den hohen Standard würden halten können, aber schon der Auftaktsong 'Flüssig' läßt erste Zweifel aufkommen. Die weiteren Songs bringen dann Gewißheit und Enttäuschung. Härte ist zwar immer noch Bestandteil ihrer Musik, aber die aggressiven Ecken und Kanten sind verschwunden, wegarrangiert und -produziert. 'Hunger' klingt steril, kalt und größtenteils auch uninspiriert. Die Songs sind vorhersehbar und werden ohne Wärme vorgetragen. Das Hauptmanko liegt dabei sicherlich in der Produktion, die wahrscheinlich den Wechsel vom Indie- zum Majorlabel dokumentieren sollte. Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen sind zwar angenehm, aber nicht gleichzusetzen mit besseren Endergebnissen. Somit ist 'Hunger' wohl mehr ein Griff ins Klo als nach den Sternen.



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