BEWERTEN
 

Joe Carducci

»Rock and the Pop Narcotic - Testament for the Electric Church (Revised Edition)«

[Verlag 2.13.61, ISBN 1-880985-11-X, 528 S., s/w-Fotos, 42,-DM *]

Text: Autor unbekannt

Das ”Testament of the Electric Church”, so der Untertitel des Buches, hat - zumindest was den Umfang betrifft - bibelähnliche Ausmaße.
Ansonsten hinterläßt das Ding bei mir eher gemischte Gefühle. Carducci kommt aus der Indie-Musik-Szene. 1978-1986 war er im Independent Schallplatten-Sektor tätig, u. a. bei „Optional Music“, „Thermidor“ und „SST“. In diesem Buch, das über einen längeren Zeitraum entstanden ist, versucht er, dem Wesen der Rock-Musik auf den Grund zu gehen, eine Definition der Rock-Musik zu finden und den Rock gegenüber anderen Musikrichtungen wie der Pop-Musik abzugrenzen. Darüber hinaus hat er auch die geschichtliche Entwicklung von Rock-Musik im Auge. Herausgekommen ist ein persönliches Buch, das ihm zufolge nicht zuletzt entstand, um herauszufinden, warum er einen Großteil seines Lebens im Independent-Musikbusiness zugebracht hat.

Und hier liegt die Crux des Buches, eine Definition sollte allgemeingültig sein und nicht aufgrund persönlicher Erfahrungen bestehen. Andererseits aber Hut ab: Carducci hat eine riesige Fleißarbeit geleistet und ist - obwohl von der Westküste der USA kommend - auch mit der Entwicklung des Rock auf dem alten Kontinent vertraut. Das Buch ist gespickt mit Zitaten und besitzt einen sehr umfangreichen ausführlichen Anhang, gespickt mit zahlreichen Faksimile aller Arten aus dem Musik-Business. Ebenso beeindruckend die reichhaltige Bibliographie und ein riesiger Index.
Selbst wenn man Carduccis Thesen nicht immer zuzustimmen vermag, ist das Buch doch Wert, beachtet zu werden, zumal es auch unterhaltsame Momente aufweist (schon allein so manche Wortgestaltung betreffend).
Es ist bezeichnend für den Verlag von HENRY ROLLINS, unbeirrbar sperrige Bücher auf den Markt zu bringen, sofern ROLLINS von ihnen nur überzeugt ist, ungeachtet eines wahrscheinlich mangelhaften kommerziellen Erfolges. Hier kann man ihm nur den Mut zum Weitermachen wünschen.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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