BEWERTEN
 

Madiot / Nabicht / Wrede / Guecchi

»Baka Mutz«

[Deux Z]

Text: Autor unbekannt

'Baka Mutz' bedeutet 'Ich bin sehr überrascht' und kommt aus der indo-germanischen Sprache. Das Quartett mit Bert Wrede (g), Theo Nabicht (sax), Thierry Madiot (tb) und Mauro Gnecchi (perc) liefert den Überra-schungsgrund, und der liegt ausgesprochen wohltuend in einer europäischen Musizier- und Experimen-tierfreude. Spielerisch leicht, locker im weiten Gewand der Impro-visation gekleidet, legen die vier aus Europa ein Ge-samtkunstwerk hin, das aus komplizierten Strukturen besteht und dennoch so tut, als sei nichts passiert. Es erfordert ein genaues Hinhören, weil man nicht die kleinen Überra-schungen und filigranen Sounds neben den großen Tönen ver-passen will.

Diese Quartettmusik kann guten Gewissens neben Ko-ryphäen der Neuen Musik und des Avantgarde-Jazz bestehen. Unaufdringlich, aber bestimmt drängt die Musik nach vorne, wo sie dann auch das hell-ste Scheinwerferlicht für sich er-wartet. Die Musiker bestimmen den Beginn der Quartetthisto-rie zeitgleich mit der Öffnung der Berliner Mauer. Eine Geburtsstunde freier Musik in der ehemaligen Frontstadt, eine Überra-schung, ein Respekt erwartender Mix aus Großstadttö-nen und vertrauten Jazzklängen. Berlin sollte sich von der CD 'Baka Mutz' eine Scheibe abschneiden und sich scham-los, aber mit Quellenangabe, bedienen.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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