BEWERTEN
 

Paul Williams

»Like A Rolling Stone - Die Musik von BOB DYLAN 1960-1973«

[Palmyra Verlag, ISBN 3-930378-01-9, 472 S., DM 49,80]

Text: Autor unbekannt

Hinter den leicht in die Irre führenden deutschen Titeln verbergen sich die ersten beiden Bände des wohl interessantesten BOB-DYLAN-Biographie-Projekts überhaupt. Unter dem besseren Originaltitel \"BOB DYLAN - Performing Artist\" setzt sich der renommierte amerikanische Rockkritiker Paul Williams - im Gegensatz zu Heerscharen von Vorgängern - weniger mit dem Leben und gesellschaftlichen Einfluß der lebenden Legende DYLAN auseinander, sondern stellt dessen schier unerschöpflichen Einfallsreichtum als Interpret und Live-Musiker in den Vordergrund.
Während Autoren wie Clinton Heylin oder Michael Kroosgard sich fast ausschließlich darauf beschränken, die von DYLAN aufgenommenen oder live gespielten Stücke zu katalogisieren, beschreibt Williams (herrlich subjektiv) seine Eindrücke von selbst miterlebten oder auf Tapes nachvollzogenen Shows.

Dabei wird beispielsweise - ernsthaft, aber nicht unkritisch - aufgeschlüsselt, welche der ca. 10 Versionen von »Visions Of Johanna“ von der 1966er England-Tour denn nun definitiv die beste ist, oder warum das Akustik-Set vom 4.2.1974 besser ist als das auf dem Livealbum „Before The Flood“ enthaltene. Es gibt wohl keinen Musiker in der neueren Musikgeschichte, dessen Konzerte größeren qualitativen Schwankungen, aber auch größerem Ideenreichtum bei der Neu-Arrangierung von Stücken unterworfen sind. Vor allem diesem Phänomen trägt Paul Williams in seinen Büchern Rechnung.
Die Erklärung für dieses Kuriosum liefert der Autor mit einem indirekten DYLAN-Zitat übrigens gleich mit: Es sei durchaus denkbar, daß DYLAN sich heute kaum mehr als \"BOB DYLAN\" sieht, sondern als jemand, der auf der Bühne steht und DYLAN-Songs singt, sie sozusagen covert ...
Hoffentlich gibt es bald einen weiteren Band \"1987-95\", in dem die sagenumwobene \"Never-Ending-Tour\" DYLANs (Start im Juni 1988, seitdem knapp 800 Shows und immer noch kein Ende in Sicht!) unter die Lupe genommen wird. Nicht nur für DYLANologen eine fesselnde Lektüre.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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