BEWERTEN
 

Martin Büsser

»If the kids are united«

[Dreieck als Symbol! Verlag, ISBN 3-930559-19-6, 130 S., DM 16,80]

Text: Autor unbekannt

Die Thematik dieses (auf den ersten Blick so unscheinbaren) Taschenbüchleins des langjährigen \"Zap\"-Mitarbeiters Büsser ist mit dem Untertitel \"Von Punk zu Hardcore und zurück\" kurz und treffend umrissen, er offenbart gleichzeitig aber auch genrebedingte Abgründe, die, trotz der vom Autor zusammengetragenen Fülle an gut recherchierten Informationen, nie komplett ausgeleuchtet werden. Das Grundproblem liegt bereits in der Definition des Begriffes Hardcore, und es tut dem Buch ganz und gar keinen Abbruch, daß es seinem Autor nicht gelingt (wie denn auch?), den Begriff endlich einmal präzise auszudeuten - ganz im Gegenteil.
Büsser versucht, Erklärungsansätze aufzuzeigen, bemüht Entstehungsgeschichte, Inhalte und Evolution der \"Bewegung\": 1976 in England beginnend, die Entwicklung in den Staaten bis zum ersten Auftauchen des Begriffes \"Hardcore\" als Bezeichnung für die Musik von Bands wie BLACK FLAG und HÜSKER DÜ verfolgend, den von Plattenfirmen am Beispiel \"SST\" und \"Earache\" geleisteten Beitrag zur Entwicklung des Genres aufzeigend.

Er eroiert die - nicht nur in den Texten der Pioniere - kaum zum Ausdruck kommenden, von den Anhängern aber so massiv vertretenen politischen Ansprüche und trifft dabei auf Widerspüche wie den feministisch und antifaschistisch hochmotivierten Hardcoreler, der seit Jahren NO FX - also im Grunde völlig unpolitischen Funpunk - zu seinen ganz großen Faves zählt und plötzlich auf die Barrikaden geht, wenn eine nackte, peitschenschwingende Frau eines ihrer Plattencover ziert. Ein Ausflug, der von der europäischen Adaption der im Prinzip erzamerikanischen Hardcore-Bewegung über deren Kommerzialisierung bis zur momentanen Rückbesinnung auf alte Punkwerte mit ihrem vorprogrammierten Ausverkauf derselben führt. \"If the kids are united\" ist keine wissenschaftliche Arbeit, wie zum Beispiel \"Die heiligen Narren\", sondern das Werk eines Menschen, der das, was er schreibt, jahrelang mitgelebt hat und es immer noch tut. Angereichert mit über die Jahre hinweg geführten Interviews mit Künstlern wie NEUROSIS, HENRY ROLLINS, HÜSKER DÜ, FUGAZI, NOMEANSNO, ALICE DONUT, SONIC YOUTH, SLIME und vielen anderen, ist dieses Buch für jeden Menschen, in dessen Leben Songs wie \"TV Party\" oder \"Diane\" jemals etwas verändert haben, ein Pflichtkauf.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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