Uwe Deese / Peter Erik Hillenbach / Christian Michatsch / Dominik Kaiser (Hrsg.)
»Jugendmarketing - Das wahre Leben in den Jugendszenen der Neunziger«
[Metropolitan-Verlag, ISBN 3-89623-014-X, 379 S., Fotos, DM 78,-]
Text: Autor unbekannt
„Das ist aber schön! Da soll nun ein Buch zusammengestellt werden, bei dem unter Mitwirkung kompetenter Schwätzer das Verhalten der ‘Jugend’ bis ins Detail ausgeschnüffelt und schließlich dieses Wissen interessierten Marketing-Strategen und Unternehmensberatern zur Verfügung gestellt wird. Damit die dann ihre Planungen perfektionieren und uns endlich auch im hinterletzten Versteck mit besonders kreativem Werbeterror aufspüren und erschlagen können [...] Wir werden bis aufs letzte Hemd ausgezogen und sogar das A..... wird mit einer Halogentaschenlampe ausgeleuchtet [...], damit auch ja nichts an neuen Marketing-Ideen verlorengeht ...“
Die Markenartikelindustrie hat es längst gemerkt: Die Jugend von heute hat Kohle und konsumiert gern.
Denn kaum zu klassifizierende Verhaltensweisen zeichnen die Jugend der 90er Jahre aus. Sie zeigt sich in ihren Ansprüchen widersprüchlich, im Verhalten wenig berechenbar und in ihren Wünschen erlebnisorientiert. Während auf der einen Seite z. B. Musik und Mode als Kulturimporte insbesondere aus Amerika und England immer einheitlicher werden, wachsen das Bestreben jedes einzelnen nach Abgrenzung und die Suche nach der individuellen Note. \"Otto-Normalverbraucher\" sind out, scheinbare Einzigartigkeit ist angesagt wie nie zuvor. Man kauft Dinge, die man zum Leben nicht braucht, es aber angenehmer und erlebnisreicher machen. Shop til you drop. Konsum ist gleichzusetzen mit Lebensgefühl, \"schön essengehen\" steht z. B. für Lebensqualität. Kultmarken wie Coca-Cola oder Gauloises sind wie gute alte Freunde; sie werden nicht geprüft oder in Frage gestellt, sondern gekauft. So wie Stüssy ...?
Mit einer ungewöhnlichen Mixtur aus fachlichen Statements und Beiträgen im Plauderton werden die unterschiedlichen Meinungen von Forschern, Medien, Herstellern und Jugendlichen (als den Konsumenten) wie Kurzgeschichten aneinandergereiht. Da ist z. B. Christian F., Mitte 20, der zwar einen bürgerlichen Beruf ausübt, aber nebenbei sein Geld als Drogendealer verdient. Oder Ingo H., Geselle in Kirchlotheim, den keine Botschaften aus Werbung, Magazinen oder Fernsehen erreichen. Er legt keinen Wert auf Markenartikel und kann auch nicht begreifen, daß jemand DM 700,- für eine Jacke auf den Tisch legt. Namen wie \"Stüssy\", die Kids in jeder Großstadt geläufig sind, hat weder Ingo noch einer seiner Freunde je gehört.
Bleibt nach dem Konsum der 379 Seiten nur die Frage: Wo finden sich die grundsätzlichen Aussagen? In dem Gemisch aus Marketing in eigener Sache und unterhaltsamen Essays sind sie jedenfalls kaum auszumachen.
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