BEWERTEN
 

NOFX

»Heavy Petting Zoo«

[Epitath / Semaphore / VÖ: 07.01.2003 ]

Text: Autor unbekannt

'Punk is dead', sangen CRASS Ende der 70er Jahre. Seitdem ich ungefähr 1983 begann, mich für Punk zu interessieren, begegneten mir immer wieder zwei Gruppen von punkbegeisterten Menschen. Die einen gaben CRASS zwar recht, meinten jedoch, Punk sei ein Lebensgefühl. Immer wenn ich diesen Menschen begegne, muß ich mir von ihnen anhören, Punk sei zwar vorbei, dennoch betonen sie, wie großartig die Geisteshaltung von Punk ist und wie wild die alte Punkzeit doch war, beziehungsweise gewesen sein muß. Punk ist ihre Religion. Die zweiten scheren sich nicht um das Gerede der ersteren, für sie ist Punk einfach eine ansprechende Kultur mit guter Mode und Musik.

Genau zu dieser Gruppe von Menschen gehören NOFX, und ich glaube, das macht sie mir sympathisch. Ich fände ihre Haltung sehr borniert, wenn Punk wirklich etwas objektiv Großartiges gewesen wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall. Punk war nur eine weitere Jugendkultur. THE CLASH sind prinzipiell nichts anderes als THE WHO. Und auch Bands mit CRASS-ähnlicher Geisteshaltung zum Business gab es bereits zuvor, in Deutschland zum Beispiel die bekannten TON STEINE SCHERBEN. Das einzige, was wirklich neu gewesen sein könnte am Punk, war das Auf-die-Spitze-Treiben eines exzentrischen Benehmens. Aber auch dies ist Rock’n’Roll-immanent, spätestens seit JOHN LENNON und den BEATLES. Auch der Slogan 'No more heroes' wurde nicht in die Tat umgesetzt. Wie überall gab es auch im Punk die Aktiven und die Mitläufer, die zu den Aktiven emporschauten. Punk brachte also durchaus nichts Neues, war lediglich eine angemessene Reaktion auf die Hippies der späten 70er Jahre. NOFX sind folglich ebenso wie GREEN DAY eine Band, die genau das Richtige mit dem aufgeblasenen Punk-Ungetüm machen: Sie entkorken es, indem sie Punk auf Spaß, Musik und Mode beschränken. (Was dann die Bravo damit macht, ist eine andere Sache.) Wieso aber sind GREEN DAY und OFFSPRING in den Charts, nicht jedoch NOFX? Die Antwort von NOFX, das sei beabsichtigte Folge einer Verweigerungshaltung, sagt nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist in der Tatsache zu suchen, daß NOFX besser sind als OFFSPRING, nicht jedoch so vielbedeutend wie GREEN DAY. NOFX schreiben Lieder mit witzigen Texten und schönen Melodien. Das tun sie seit geraumer Zeit, und auch auf dieser Platte hat sich daran nichts verändert. GREEN DAY bieten jedoch mehr, durch schöne Melodien bestens transportierte melancholische Texte zum Thema Teenager-Schmerz, noch dazu vom extrem charmanten Billie Joe vorgetragen. Im Gegensatz zu GREEN DAY befriedigen OFFSPRING das stumpfe Stadionrockbedürfnis grobschlächtiger Jugendlicher. NOFX stehen dazwischen und sind gerade deshalb nicht die großen Abräumer dieser neuen Punkwelle, aber das ist im Grunde auch völlig egal. Ich jedenfalls höre mir NOFX ab und zu ganz gerne an und schmunzle über die Texte.



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