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Fugees

»The Score«

[Ruffhouse / Columbia / Sony / VÖ: 13.02.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Die FUGEES sind ohne Zweifel zu Großem fähig. Das ist eine Tatsache, die sich mit 'Blunted On Reality' bereits manifestierte und nun mit 'The Score' zu vorläufiger Vollendung geführt wird. Das klingt zwar etwas überirdisch, trifft aber zu. Wahr ist auch, daß die FUGEES trotzdem noch keine entsprechende Resonanz erreicht haben. Warum? An ihrer haitianischen Herkunft wird es hoffentlich nicht liegen (obwohl es nichtamerikanische Rapper in den USA denkbar schwer haben, auch wenn sie dort leben - hat was mit so einer Art Herkunftsbeweislastigkeit zu tun). Da ist es schon eher denkbar, daß die FUGEES, da sie viele 'Regeln' des Rap(Biz) unkonventionell angehen oder gar brechen, einfach nicht das Zeug haben, einem breiten Publikum zu genügen oder ihrer Company zu Wohlgefallen zu sein.

Zum einen ist da die Vielzahl ihrer musikalischen/geistigen Einflüsse (Reggae, Rasta, Gott, Soul, Familie, Liebe usw.), andererseits praktizieren die FUGEES schon mit ihrer Zusammensetzung eine Form der geschlechtlichen Gleichberechtigung. Mit anderen Worten: Die FUGEES sind unmodern! Da sie also relativ einsam dastehen, müssen die FUGEES eine besondere Stärke zeigen. Dies machen sie nicht durch eine große Klappe oder Gesten, sondern durch etwas viel Wirkungsvolleres: den Glauben an die kleinen und einfachen Dinge im Leben ebenso wie an die nicht-konstruierte Wahrheit. Wenn Lauryn rappt 'Everybody wears a mask, but how long will it last?', ist das trotz der Schlichtheit dieses Statements für viele 'Hardliner' wie ein wuchtiger Faustschlag auf die Zwölf. Und wenn zu viele der Beste sein wollen, kann es letztendlich keiner sein ('How Many Mics'). Ganz einfach. Weiterentwicklung ist nur noch durch Simplifikation möglich. Einfach mal einen Gang zurückschalten. Das machen sie auch musikalisch. Es versteht sich fast von selbst, daß 'The Score' in Familienarbeit entstanden (DAIMOND D schwirrt ein bißchen durch Tracks und Lyrics) und wirklich exzellent arrangiert ist. Die Musik wirkt nachdenklich, teilweise sehr getragen und ist trotzdem spielerisch-leicht. Bei aller Ernsthaftigkeit bewahren die FUGEES den nötigen Humor - vor allem in diesen unnachahmlichen Interludes -, und wenn sie so abgedroschen anmutende Songs wie MARLEYs 'No Woman, No Cry' oder 'Killing Me Softly' (Lauryn ist die bessere ROBERTA FLACK - sorry!) covern, ist das nicht nur eine liebevolle Hommage an die Künstler, sondern zugleich - da textlich variiert - Bemerkung und Interpretation momentaner Geschehnisse. Jeder einzelne kann Unmengen aus dieser Platte lernen. Ob und was die Rapgemeinde daraus mitnimmt, wird das laufende Jahr zeigen.



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