BEWERTEN
 

Peter Bommas / Franz Dobler (Hrsg.)

»Down in Louisiana«

[Bommas Verlag, ISBN 3-928452-04-5, 165 S., Fotos, DM 22,-]

Text: Autor unbekannt

Kaum vorstellbar: in Freds Lounge, einer angeschmuddelten Bar in Mamou, Louisiana, wird seit 1945 jeden Samstagmorgen von neun bis eins zum Cajuntanz aufgespielt. Mit skurrilen Instrumenten, Akkordeon, Fiedel, Gitarre, Schlagzeug und Triangel bringen Freizeitmusiker aus der Region Woche für Woche die ländlichen Tanzdielen zum Schwingen.
Was ist das Faszinierende an dieser ungeschliffenen Musik und der eigenständigen Kultur, die sich im abgelegenen Acadiana, zwischen Swamps (Sümpfen) und Bayous (kleine Wasserarme, die träge Richtung Meer fließen), im tiefsten amerikanischen Süden entwickelt hat? Der Beantwortung dieser Fragen widmet sich das liebevoll gestaltete Cajun-Kompendium 'Down in Louisiana'.
Die Geschichte der Cajuns auf dem amerikanischen Kontinent beginnt 1604, als bretonische Einwanderer im Nordosten Kanadas ihre ersten Siedlungen gründeten.

Weil sie sich weigerten, der britischen Krone den Treueeid zu leisten, wurden sie 1755 vertrieben und in alle Winde zerstreut. Etwa die Hälfte der ursprünglich 16.000 Personen erreichte nach einer über zehnjährigen Odyssee durch Nordamerika das Schwemmlandgebiet am Golf von Mexiko. Im bunten Gemisch der Völker und Nationalitäten der unwirtlichen Gebiet des Mississippideltas wurden die Cajuns schnell zur kulturell dominierenden Volksgruppe, zahlreiche Elemente der Kulturen anderer Ethnien absorbierend. Denn da sich die Community weniger durch ethnische Abstammung als vielmehr durch Adaption von Sprache, Gebräuchen und Musik definierte, lebten und heirateten sich mit der Zeit auch zahlreiche Deutsche, Polen, Italiener, Spanier und Mexikaner ein.
Die bewußt subjektiv erzählten Geschichten über Zydeco (das schwarze Pendant zur weißen Cajun-Musik), Sprache, Voodoo, regionale Küche, Ökologie, Rassismus und Geschlechterrollen vermitteln einen vielschichtigen Einblick in die Lebenswelt und Mentalität der Cajuns. Dieses Kaleidoskop aus Reisegeschichten, Erzählungen, Musikberichten und privaten Notizen entwickelt sich zu einer Liebeserklärung an diese eigensinnige Alternative zum gleichförmigen Mainstream, die sich bislang erfolgreich dem amerikanischen Musikbusiness entziehen konnte. Ihr rauher, wilder, ungehobelter Charakter vermittelt eine schwache Ahnung davon, wie auch die regionalen Volksmusiken im deutschen Sprachraum einmal geklungen haben könnten, bevor sie zur zahnlosen angepaßten Staatsfolklore domestiziert wurden.
Neben gelegentlichen praktischen Tips aus den Nähkästchen der Autoren finden sich im Anhang weitere Reise-, Musik-, Film- und Literaturhinweise.



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aus Intro #31 (Februar 1996)
 
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