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»Murder In The 1st Worst Degree«
[Motor / Polydor]
Text: Autor unbekannt
HipHop-Jazz-Projekte (oder auch andersherum wie in diesem Fall eher) finden nicht alle Leute toll. HipHop-Puristen winden sich in qualvollen Zuckungen bei dem Gedanken an z. B. GURUs Jazzmatazz-Geschichten; Jazz-Renaissanceler (z. B. die Hörerschaft von WYNTON MARSALIS) halten allein die Idee schon für verwerflich. So weit, so gut.
Wer sich aber als Jazz-Liebhaber über solche Kollaborationen die Pfade des HipHop (oder hier jetzt eher Rap im heutigen Sinne) erschließen möchte, gehört zu den Leuten, denen man diese Platte hier uneingeschränkt empfehlen möchte. OVERKILL ist das Projekt des Saxophonisten GARY THOMAS, der mit 'Murder In The 1st Worst Degree' das bisher wahrscheinlich düsterste und härteste Machwerk dieser Art vorlegt.
Der Titel, das Cover, Musik und die Texte der hier nicht weniger als acht zählenden Rapper (als bekanntesten JOVANOTTI, alle anderen sind bisher unbekannte Talente aus THOMAS' Heimatstadt Baltimore) geben die übergeordnete Thematik wieder: die Wirklichkeit schwarzen Daseins in den USA.
Mit OVERKILL verwirklichte THOMAS seinen bereits einige Zeit gehegten Wunsch, eine 'HipHop'-Platte aufzunehmen. Die gedankliche und geistige Anlaufzeit von über einem Jahr merkt man der Qualität der Musik an. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der musikalischen Konzeption. THOMAS ging zuerst vom Ansatz des Jazz aus, doch stieß er schon bald an unüberwindbare Grenzen, da die Rapper mit dieser Art und Weise nicht zurecht kamen. Schließlich ging man dazu über, die Raps zu nehmen und sozusagen um diese herum die Musik aufzubauen, also das Komplexe auf das Einfache zu bauen. Damit mußte THOMAS eine, wie er selbst sagt, 'untypische' Arbeitsweise annehmen, die letztendlich aber zum Erfolg führte. Auffällig ist ebenso, daß gänzlich auf einen DJ verzichtet wurde, was aber kein Manko darstellt.
Auf 'Outta The Game' oder 'Doomsday Booty' werden aber auch smoothe Töne angeschlagen (wobei die Texte nichts von ihrer Härte einbüßen), was aber zum Großteil der Ex-INCOGNITO-Sängerin MAYSA zuzuschreiben ist. Stilistischer wie atmosphärischer Höhepunkt ist 'Just A Villain', das von dem 'Der Pate'-Thema eingeleitet wird und in dessen Verlauf JOVANOTTI in seiner Heimatsprache rappt. Diesen Sinn für Feinheiten sucht man auf vielen Platten vergeblich.
War das einzige anfängliche Manko für mich der sehr saubere, fast klinische Klang der gesamten Aufnahme, bin ich nach mehrmaligem Hören eher dazu geneigt, dieser Glasklarheit einen Bonus abzugewinnen, da so ein andauernder und ein sehr eigentümlicher, aber leiser Kontrapunkt gesetzt wird.
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