BEWERTEN
 

Whirlpool Productions

»Brian De Palma«

[Ladomat 2000 / / VÖ: 17.06.1996 ]

Text: Autor unbekannt

Bekanntlich war Marx der Meinung, daß sich die Geschichte zuerst als Tragödie und dann als Farce abspiele. Gerade in der Popmusik finden sich dafür viele Bestätigungen, so zum Beispiel in den letzten Jahren das unerträgliche Revival von allem, was in den 70ern passiert ist. Den unerfreulichsten Ausdruck findet diese Manie in der Rehabilitierung all dessen, was man naiverweise schon auf dem Schrotthaufen ästhetischer Verirrungen wähnte: Gitarrensoli, Schlaghosen, ... muß ich fortfahren? Bei manchen jedoch, wie bei den BEASTIE BOYS, äußert sich die Vergangenheit in Form einer eher coolen Marotte, eines allgegenwärtigen Bekenntnisses der gleichen kulturellen Herkunft einer Generation, die keine ist.

In diesem Fall ist die Farce nicht in der Benutzung von Verweisen auf die Geschichte (Wah-Wah, Turnschuhe) zu sehen, sondern in der Erkenntnis, daß die Suche nach einem eigenen, alle(s) umfassenden Groove vergeblich (geworden) ist, und damit eben keine Wiederholung der 70er. Definitiv der zweiten Kategorie zuzuordnen sind WHIRLPOOL, deren erstes Album 'Brian De Palma' ganz im Zeichen von Dizko (ihre Schreibweise) steht. WHIRLPOOL setzt sich aus Leuten ganz unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Herangehensweisen an Musik zusammen, die jedoch alle dem Kölner SPEX- und House-Umfeld zugerechnet werden können. Entsprechend vielfältig und dennoch gleichgerichtet klingt die ganze Platte, nach durchtanzten Nächten voller verschwitzter Euphorie genauso wie nach gut abgehangener, leicht bekiffter Soundfrickelei am heimischen Wohnzimmer-PC (so stelle ich mir das jedenfalls vor). Nichts wurde hier verschwenderisch oder gar effekthascherisch eingesetzt, trotzdem ist die Platte keinesfalls reduziert zu nennen. New York als Geisteshaltung und H-Muzik als Einfrieren eines Zustands, der sich nicht durch Dreck zerstören läßt. Für wen Disco keine Tragödie war, für den kann sie sich auch nicht als Farce wiederholen.



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